Chaos, Lärm und viel Geld

31. August 2001, 13:16
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Flushing Meadows ist anders und bei den Herren die Frage nach den Favoriten heuer besonders schwierig

New York - Marat Safin Venus Williams sind die Titelverteidiger bei den am Montag beginnenden US Open 2001. Sie zählen auch heuer wieder zum Favoritenkreis beim vielleicht proletarischsten aller Grand Slam Turniere. Prognosen sind ob der Dichte im Welt-Tennis aber ein Wagnis.

Bei den Herren blickt Safin auf eine eher matte Saison zurück, ihm fehlt heuer noch ein Titel. Coach Mats Wilander sagte den angekündigten Senior-Tour-Auftritt in Graz ab, um seinen Schützling für New York in Form zu bringen. Nicht umsonst, Safin musste sich in Indianapolis erst im Semifinale knapp dem späteren Champ Pat Rafter geschlagen geben.

Rafter vor Retirement

Der australische US-Open-Sieger 1997 und 98 bestreitet sein wohl letztes großes Turnier - jedenfalls das letzte vor einer sechsmonatigen Pause: "Ich möchte sehen, wie sehr ich das Tennis vermisse. Aber ich hoffe wirklich, dass ich etwas anderes in meinem Leben finde, das mich erfüllt. Ich würde wirklich gerne aufhören", lässt er wenig Zweifel an der Ernsthaftigkeit seiner Absichten. Eine Karriere mit dem dritten US-Open-Sieg zu beenden, wäre für den diesjährigen Wimbledon-Finalisten sicher ein Traum. Die Möglichkeiten dazu hat er, dies haben seine Ergebnisse zuletzt gezeigt.

Wie gut ist Sampras?

Der vierfache US-Open-Sieger Pete Sampras ist seit seinem Rekordsieg (13. Major-Triumph) in Wimbledon 2000 aber ohne Titel. "Der Einzige, dem ich noch etwas beweisen möchte, bin ich selbst", meint er trotzig. Andre Agassi kann in diesem Jahr mehr aufweisen: Erfolgreiche Titelverteidigung bei den Australian Open sowie Siege in Indian Wells, Miami und im Juli ein Finalsieg über Sampras in Los Angeles.

"Um hier zu gewinnen, da braucht man die Gunst des Augenblicks und etwas Glück. Aber ich fühle mich sehr gut und hoffe, dass alles zusammen passt", sagte Agassi. Sein Dauer-Rivale, dem er 1990 und 1995 im Endspiel unterlegen war, verteidigt sich gegen die hohen Ansprüche, die an ihn gestellt werden. "Ich werde mit viel höheren Maßstäben gemessen als jeder andere. Wenn ich nicht jedes Jahr Wimbledon gewinne, gibt es immer Fragen", sagt Sampras. Youngster Andy Roddick, nach zwei Sandplatz-Titeln am vergangenen Sonntag in Washington auch erstmals auf Hartplatz Sieger, zählt schon zu den gefährlichen Außenseitern.

Hingis nur Außenseiterin

Die Nummer eins bei den Damen, Martina Hingis, wird es nach einer verwachsenen Saison schwer haben. Die schärfsten Konkurrenten von Venus Williams kommen eher aus ihrem eigenen Land: Allen voran Jennifer Capriati, die nach Siegen bei den Australian und den French Open auch in Wimbledon erst im Halbfinale gescheitert war. Auch Monica Seles und Serena Williams, die mit ihrem ersten Titel 2001 durch einen Finalerfolg über Capriati in Toronto auf sich aufmerksam machte, zeigten zuletzt gute Form.

Aus österreichischer Sicht ruhen die Hoffnungen einmal mehr auf Barbara Schett, die aber spätestens im Achtelfinale (Capriati) arge Schwierigkeiten bekommen wird, Stefan Koubek (zunächst gegen Andrew Ilie) und Markus Hipfl (gegen Marcelo Rios) werden kleinere Brötchen backen müssen.

Mehr Geld gibt's nirgends

Insgesamt 15,8 Millionen Dollar, umgerechnet 236 Millionen S (17,1 Mio. Euro), werden ausgeschüttet. Die US Open sind damit die weltweit höchst dotierte Sportveranstaltung. Die Einzel-Sieger erhalten jeweils 850.000 Dollar (922.309 Euro/12,69 Mio. S). Erstmals in der Geschichte dieses Events werden die Single-Finali live im US-Radio übertragen, das Damen-Endspiel wird als erstes der Grand-Slam-Geschichte zur US-Prime-Time im TV übertragen. Ein weiterer Beweis für das gestiegene Interesse vor allem am Damen-Tennis.

Eine weitere Neuerung, die es im Tennis noch nicht gegeben hat, bedeutet die Installation zweier Großbildschirme innerhalb des Arthur-Ashe-Stadions. Auf diesen HDTV-Screens werden Highlights, Statistiken und Spielerprofile gezeigt sowie auch vom Geschehen außerhalb des Stadions berichtet. (APA/red)

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