Öko-Anlage kann sich bezahlt machen

27. August 2001, 12:32
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Immer mehr Anleger wollen zwar schöne Renditen sehen, aber auch ihr ökologisches Gewissen beruhigen

Wien - Vor wenigen Jahren begannen Öko-Experten, sich auf die damals schon steigende Nachfrage von Öko-Anlagen einzustellen. Max Deml rief am 1. April 1997 den Naturaktienindex (NAI) ins Leben. Und der kletterte seitdem in aller Regelmäßigkeit in die Höhe bzw. verlor auch in schwächsten Börsenzeiten weniger als andere Indizes. Seit Jahresbeginn hat der NAI ein Minus von sechs Prozent verzeichnet. Zum Vergleich: Der Weltaktienindex MSCI World verlor 14,5 Prozent. Im Vorjahr hat der NAI noch fast 50 Prozent zugelegt.

Startete der NAI am 1. April 1997 mit dem Ausgangswert 1000, so lag er Ende des Vorjahres bei knapp 2000 Punkten. Derzeit rangiert der Index bei 1680 Punkten. Von April 1997 bis Ende 2000 hat der NAI rund 77 Prozent besser abgeschnitten als der MSCI World.

Was sich denn auch auf die Anlagesumme auswirkte: Derzeit liegen drei Mrd. Euro in Ökofonds geparkt, allein im Vorjahr hat sich das Volumen verdoppelt. Deml, auch Chef des ethisch-ökologischen Börseninformationsdienstes Öko-Invest, garantiert den Anlegern eine strenge Überprüfung der Unternehmen, die in den NAI aufgenommen werden wollen. Dazu müssen sie bestimmte ökologische, ethische und ökonomische Kriterien erfüllen. So sollen sie zum Beispiel ökologische Vorreiter in ihrer Branche sein, in der sie öko-effizient (durch Einsparung von Energie, Wasser und Rohstoffen) arbeiten, und um eine nachhaltige Wirtschaftsweise bemüht sein.

Außerdem kommen Negativkriterien, z. B. die Zugehörigkeit zu ausgesprochen umwelt- und gesundheitsschädigenden Branchen wie der Atomkraft-, Rüstungs- oder Tabakindustrie oder die Verletzung von Menschenrechten, zur Anwendung. Das imug-Institut aus Hannover überprüft die NAI-Titel laufend auf die Einhaltung dieser Kriterien.

Saubere Mischung

Derzeit sind 20 Unternehmen im NAI gelistet. Vor allem die Branchen mit Umwelt-und Konsumentenbezug scheinen auf, die Titel bilden ein weltweites Öko-Portfolio ab, das der Privatanleger leicht nachvollziehen kann. So finden sich der amerikanische Schuhhersteller Timberland ebenso wie der japanische Fahrraderzeuger Shimano oder der britische Kosmetiker Body Shop im Index.

Und es gibt auch zwei österreichischen Unternehmen: der Hersteller von Kraft-Wärme-Koppelungen und Turbinen, Jenbacher, und der Kartonhersteller Mayr-Melnhof. Max Deml gibt zu, dass Österreich mit gleich zwei Firmen übergewichtet ist, jedoch seien beide Unternehmen stark exportorientiert und eher als europäische Titel zu betrachten. Das Anlegen in ethisch-ökologische Investments hat sich jedenfalls zu einem Milliarden-Markt entwickelt. Denn wer auf Umwelt setzt, scheint auf Rendite nicht verzichten zu müssen. (son, Der Standard, Printausgabe, 27.08.2001)

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