Internetfonds: Ein Investment für Mutige

31. August 2001, 13:36
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Im Mai sah es noch so aus, als ob es mit Internetfonds wieder aufwärts gehen würde - Doch seither ging es stetig nach unten

Wien - Wer im Dezember in einen der in Österreich angebotenen Themenfonds investiert hat, dem sind bisher im Schnitt etwa 40 Prozent des eingesetzten Kapitals zerronnen. "Es spricht nichts dafür, dass man jetzt bei einem Einstieg in einen guten Internetfonds noch einmal 50 Prozent verlieren könnte", meint Hans Leitner, Fondsmanager für Branchenfonds bei der Erste Sparinvest. "Das Ausmisten hat schon in großem Stil stattgefunden - und geht laufend weiter. Der Boden sollte erreicht sein."

Mit riskanten Internet-Branchenfonds haben Anleger in den vergangenen Jahren viel Geld verloren. Gewinnwarnungen und Penny-Stocks waren die Schlagwörter der vergangenen Wochen, und immer ging es um Unternehmen, die mit Internet zu tun haben. Die Erste Sparinvest hat Anfang Juli einen Internetfonds auf den Markt gebracht. "Es ist kein typischer Internetfonds, der in alles investiert, was auf Dot.com endet", sagt Leitner. "Wir gehen in Unternehmen, die etwas herstellen oder über Know-how verfügen."

Dementsprechend finden sich im Portfolio des Fonds auch überwiegend Hersteller von Netzwerkkomponenten wie etwa Cisco, Erzeuger von Internetsicherheitsprodukten wie etwa VeriSign, aber auch Webportale wie Yahoo, T-Online und der französische Titel Wanadoo.

Junges Publikum

Investiert wird überwiegend in die größten Aktiengesellschaften, zu 69 Prozent in den USA, zu 26 Prozent in Europa und zu etwa fünf Prozent in Asien. Zielgruppe für den Internetfonds der Sparinvest sind laut Leitner jüngere, technikinteressierte Anleger, die an das Geschäft mit dieser Technologie glauben. Derzeit sind rund 700.000 Euro im Fonds, Leitner kann sich vorstellen, innerhalb eines Jahres zehn Millionen Schilling einzusammeln. Auch das Einsteigen über einen Fondssparplan ist möglich. Dabei investiert man monatlich 1000 Schilling.

Auch die Capital Invest empfiehlt derzeit, Anteile an ihrem "Capital Invest Internet Stock" nur im Fondssparsystem aufzustocken. Derzeit liegt der Schwerpunkt bei E-Commerce-Unternehmen und Chipherstellern. Von seinem Ausgangswert am ersten Tag, dem 6. Dezember vorigen Jahres, bis Mitte August verlor das Anlageprodukt 51 Prozent. Auch der Epicon Best Fonds Internet verlor im ersten Halbjahr 30,68 Prozent. Auch hier ist ein Ansparplan möglich, ein Anlagehorizont von sieben Jahren wird empfohlen. Im Unterschied zu den ersten beiden Fonds investiert der Anleger über diesen Dachfonds sein Geld in international tätige Fondsgesellschaften wie Fleming, Invesco und Sarasin.

Überlebensfrage

"Finger weg von Internetprovidern und E-Commerce", empfiehlt Frank Rothauge, der Leiter des Telekom- und Technologie-Researchteams von Sal. Oppenheim Frankfurt. Bei den Internetprovidern jedoch lägen die Margen aufgrund des hohen Wettbewerbs praktisch bei null. E-Commerce bringe nur niedrige Gewinne, benötige aber hohe Umsätze. Nur wenige marktführende Unternehmen würden überleben. Bei Portalen sei erst nach Überschreiten einer "kritischen Größe" mit hohen Margen zwischen 75 bis 85 Prozent zu rechnen. Für die Geschäftsfelder Software und IT-Service prophezeit Rothauge kontinuierliches mäßiges Wachstum.(STANDARD-Mitarbeiterin Doris Hummer, Der Standard, 27.08.2001)

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