Ein Fossil - Von Gerhard Plott

26. August 2001, 20:35
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Alexander Lukaschenko ist kein Mensch, mit dem gut Kirschen essen ist, der autoritär regierende Präsident Weißrusslands ist ein Fossil aus Zeiten, in denen der Schlächter Josef Stalin noch als Staatsmann galt. Und Lukaschenko hat von ihm gelernt. Wie einst der "stählerne" Georgier Jossif Wissionarowitsch Dschugaschwili meint Lukaschenko heute, dass es nicht wichtig sei, wer wen wählt. Wichtig sei nur, wer die Stimmen auszählt. Und da sitzt der egomanische Weißrusse, der sich zu Recht vor einem Schicksal `a la Slobodan Milosevic fürchtet, derzeit leider am längeren Ast: Er hat die Macht.

Der ehemalige Kolchosen-Direktor schändet den rudimentären Rechtsstaat, schickt seiner Opposition Todesschwadronen auf den Hals, unterdrückt die wenigen unabhängigen Medien und hat sich mit einer Kamarilla umgeben, die seine Befehle bedingungs- und gewissenlos ausführt. Lukaschenko regiert das bitterarme, nach der Tschernobyl-Katastrophe großteils radioaktiv verstrahlte Land nach der nordkoreanischen Devise: Abschottung um jeden Preis. So werden auch die Wahlen, die für Anfang September angesetzt sind, zur Farce.

Die spezielle Tragik dieses Urnengangs liegt jedoch darin, dass Lukaschenko wahrscheinlich sogar ohne Wahlbetrug eine Mehrheit erringen würde. Der Mann hat ein Klima der Angst und Repression geschaffen, in dem die Menschen dermaßen mit dem nackten Überleben beschäftigt sind, dass für eine freie politische Meinungsbildung mangels glaubwürdiger Informationen keine Möglichkeit vorhanden ist.

Die Chancen des Westens, auf Lukaschenko direkt Druck auszuüben, sind marginal: Der Präsident ist beratungsresistent. Der Einzige, auf den Lukaschenko noch hört, ist Russlands Präsident Wladimir Putin. Und dem sollten gute Beziehungen zur EU wichtiger sein, als ein marodes Regime im russischen Westen zu stützen. (DER STNADARD, Print-Ausgabe, 27.8.2001)

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