Wirtschaftlich sensationelles Ergebnis

27. August 2001, 13:33
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Warum Mortiers Nachfolger auf ein Geld-Pölsterchen hoffen darf

Salzburg - Die Salzburger Festspiele 2001 werden am 31. August mit einem wirtschaftlich geradezu sensationellen Ergebnis abschließen: "Wir hinterlassen unseren Nachfolgern nicht nur eine schwarze Null, sondern sogar fünf bis zehn Mio. Schilling", sagt Finanzschef Hans Landesmann.

Die Karteneinnahmen hätten bei 295 Mio. liegen müssen, um die Restschulden aus dem Jahr 1999 von zehn Mio. aufzufangen. Derzeit lägen die Einnahmen aber bereits bei rund 304 Mio. Gerard Mortier spricht enthusiasmiert von 20 Mio. Schilling, die man heuer im Plus sei, wenn man die Altlasten außer Acht lässt.

Das exakte Ergebnis der Ära Mortier/Landesmann lässt sich noch nicht genau beziffern: An TV-Rechten dürfte weniger eingenommen worden sein als erhofft, und der jüngst gefallene Dollar-Kurs hätte zur Folge, dass die Sponsorsumme von Mäzen Alberto Vilar um zwei Mio. Schilling geringer sei, sagt Präsidentin Helga Rabl-Stadler: "Mortier und Landesmann hatten das Glück, mit einer Reserve von 70 Mio. beginnen zu können. Nach 2001 kann es sein, dass auch der neue Intendant über einen Polster verfügen wird."

Sicher hingegen ist: Die Auslastung wird über jenen der Vorjahre liegen. Vor allem die Oper sei, meint Landesmann, hervorragend besucht gewesen. Ariadne entpuppte sich doch nicht als Sorgenkind, und selbst die letzten Vorstellungen von Jenufa seien ausverkauft gewesen: "Schade, dass sie erst so spät angezogen hat." Einer der Hauptgründe für die hohe Auslastung dürfte die Reduktion der Karten gewesen sein, so Rabl-Stadler.

Von den rund 20.000 verkauften Karten für die Fledermaus-Version von Hans Neuenfels wurden nach den zum Teil vernichtenden Medienberichten 200 zurückgegeben - eine geradezu marginale Größe, sagt Landesmann. Und was Mortier nicht ohne Stolz erzählt: Die Buh-Orkane der ersten Vorstellungen mutierten in den jüngsten Vorstellungen zu lauen Lüftchen.

Marcel Prawys Aufruf, den Eintrittspreis zurückzuverlangen, weil ein Betrugsfall vorliegen könnte, kam bisher ein Besucher nach: Er schaltete seinen Anwalt ein. Landesmann will aber den Eintrittspreis (3000 S für zwei Karten) nicht ohne weiteres zurückerstatten: "Das muss einmal ausjudiziert werden!"

(DER STANDARD, Print, 27.8.2001)

Thomas Trenkler

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