Die Kunst, Schwerpunkte zu bilden

26. August 2001, 20:35
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Netzwerke bilden, Kräfte bündeln: die Maxime bei den Alpbacher Technologiegesprächen

Alpbach - "Statt sich vorrangig auf die Suche nach effizienten Strukturen für die Forschung zu konzentrieren, sollte man lieber über deren Inhalte diskutieren", sagt der US-Wissenschafter Fritz Prinz aus Stanford und hält ein Exemplar des STANDARD in die Höhe, wo unter dem Titel "Ordnung in die Forscherszene" über die Vorstellungen zur Neustrukturierung der außeruniversitären Forschung berichtet wurde. In einem Arbeitskreis der am Samstag zu Ende gegangenen Alpbacher Technologiegespräche stellte Prinz dem Streben nach mehr Ordnung die Dschungelanarchie der kalifornischen Forscherszene entgegen, die das Silicon Valley zum Mekka der Technologiepolitik gemacht habe.

Die Suche nach einem Instrumentarium, das eine effizientere Kooperation und Vernetzung in die "verhüttelte" außeruniversitäre Forschung bringt, steht dennoch ganz oben auf der Agenda der heimischen Technologiepolitik. "In Österreich erkennt man noch zu wenig die Dramatik der Veränderung der europäischen Forschungslandschaft. Einige der EU-Länder versuchen massiv, sich zu Dominatoren aufzuschwingen", erklärt Ex-FP-Verteidungsminister Helmut Krünes, in Alpbach frisch gebackener Präsident der Forschung Austria, des Dachverbands der Forschungszentren Seibersdorf, Arsenal und des steirischen Joanneum. "Es gibt ein kurzes Zeitfenster: In fünf Jahren steht das Netzwerk europäischer Forschung, wer bis dahin nicht seine Position gesichert hat, hinkt hinterher."

Bündelung der Kräfte, Schwerpunktsetzung lautet deshalb die Devise. Immerhin werden im außeruniversitären Sektor derzeit jährlich rund sieben Mrd. S verforscht, bis 2005 sollen es nach den Plänen des Forschungsrats 20 Milliarden sein. Umstritten freilich ist die Methode der Schwerpunktfindung. Dem Forschungsrat, dem seit einem Jahr amtierenden Strategiegremium der Regierung, schwebt eine Art Holdinglösung vor, in die die Seibersdorfer ebenso integriert sind wie Landesgesellschaften wie Joanneum oder die Upper Austrian Research (UAR). Und die Seibersdorfer, die sich gerade unter dem Titel Austrian Research Centers selbst unter einem Dach neu strukturiert haben, bieten sich gleich selbst als diese Holdinglösung an und schicken "freundliche Einladungen" an die Länder, doch mit unter das ARC-Dach zu schlüpfen.

Mit vorerst wenig freundlicher Resonanz. "Jedes Jahr das gleiche schwachsinnige Thema", poltert Bernhard Pelzl, Joanneum-Geschäftsführer in Alpbach, im Gespräch mit dem STANDARD. "Die Idee einer Holding, in der das Joanneum als Tochter in die Seibersdorf-Gruppe hineinkommt, ist einfach dumm. Da können wir doch lieber gleich fusionieren." Und auch Berghold Bayer, Chef der oberösterreichischen Technologiefördergesellschaft TMG als Mutter der Upper Austrian Research, hält nichts von einem "Ober-Seibersdorf" als Forschungholding: "Die ARC hat für die Länder die falschen Eigentümer. Sie wird beherrscht vom Bund und von großen Industrieunternehmen. Für Länderinteressen bleibt da kein Platz."

Einen anderen Ansatz zur Koordination bietet die Forschung Austria selbst, die als Verein organisiert ist. Krünes will sie als Instrument der Schwerpunktsetzung stärken, freilich nicht im Sinn einer Holding, sondern über den Weg einer "Plattform". Und dies nicht aus prinzipiellen Gründen, sondern eher aus pragmatischen: "Eine große Holding wird es so schnell nicht geben, und für eine lange Strukturdebatte haben wir jetzt keine Zeit. Wir müssen in drei Jahren unsere Positionen in Europa definiert haben."

Gestärkt wird die Forschung Austria durch den bevorstehenden Beitritt der Salzburg Research. Und auch nach Oberösterreich richtet Krünes eine Einladung: "Wenn es um die Formulierung von Schwerpunkten geht, wäre es fatal, diesen Raum auszulassen."

Beim TMG-Chef Bayer verfängt diese Einladung aber nicht. Er hält ein anderes Denkmodell für eine stärkere Kooperation in der außeruniversitären Forschung parat: "Wir brauchen eine strategische Kompetenz an der Spitze dieses Sektors. Dabei geht es aber gar nicht um eine Holding, da reicht eine ganz kleine Struktur, die aber genug Einfluss haben muss." Vorbild könnte das Kompetenzzentrenprogramm K plus sein: "Da gibt es eine klare strategische Ausrichtung und ein kleine Managementeinheit, die Konzepte einfordert, diese bewertet und danach Mittel verteilt. Das sollte als Lenkungsinstrument ausreichen."(Johannes Steiner, Der Standard, Printausgabe, 27.08.2001)

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