Neue Façon für Licona

26. August 2001, 20:00
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Der traditionelle Herrenausstatter muss sich auf schnellere Zeiten einstellen

Wien - Der 1928 gegründete Herrenausstatter Licona befindet sich nach dem Ausstieg von Firmeninhaber Helmut Liegle aus dem operativen Geschäft in einer "Repositionierungsphase", berichtet Harald Rossegg, seit Juli 2001 Geschäftsführer. "Licona ist aber kein Sanierungsfall, wir schreiben schwarze Zahlen", beeilt sich der ehemalige Manager bei der GBI-Holding ("Pleiteholding") sowie nachmalige Marketing- und Sales-Chef beim Sanierungsfall Ergee zu ergänzen.

Zweites Ziel sei vielmehr: Wachstum. "Jährlich vier Prozent", sagte Rosseg im Gespräch mit dem STANDARD. Derzeit liegt Licona inklusive der Produktion in Wien und Ungarn bei einer halben Milliarde Schilling (36,3 Mio. EURO). Die Exportquote liege bei 42 Prozent. Wichtigste Zielmärkte sind die Benelux-Staaten, Deutschland, neuerdings Frankreich, die Schweiz, Skandinavien. In den Reformländern Ostmitteleuropas habe sich die österreichische Marke als Top-Brand positionieren können.

Die Firmengruppe konzentriert sich auf vier Marken - "Licona", "Gala", "Broker" und die neue "Tailormade"-Linie "Helmut Liegle". Vertrieben werden die Anzüge derzeit vor allem über den Textilfachhandel. Die Eröffnung markenexklusiver Licona-Shops sei aber geplant. Mit der Hochzeitmodemarke "Gala" wird Licona nun in Frankreich starten. Laut Rossegg sei man in der Nische der Eventmode unter den Top drei in Europa. Die übrigen Marken der Licona-Gruppe sollen folgen.

Erklärtes Ziel sei auch wieder, dass Licona als Modeinnovator gilt, wie seinerzeit in den 80er-Jahren, als der damals noch unbekannte Wiener Modeschöpfer Helmut Lang mit Liegle zusammenarbeitete. Die Fertigung in Wien wird deswegen sukzessive in Billiglohnländer ausgelagert, in Österreich soll der Schwerpunkt noch mehr als bisher in Richtung Designzentrum verlagert werden.

Hinter den Kulissen will man sich auf die neue Geschwindigkeit im Textilhandel einstellen - wie sie von Firmen wie H&M oder Zara vorgegeben wird. "Das sind die Benchmarks", so Rossegg. Deswegen wird "ein zweistelliger Millionenbetrag" in ein neues Warenwirtschaftssystem investiert, das eng mit der Produktionsplanung verbunden ist. "Damit wollen wir die Lagerdrehung von zwei auf vier verdoppeln." (Leo Szemeliker, Der Standard, Printausgabe, 27.08.2001)

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