"Gute Betriebe sind wetterunabhängig"

26. August 2001, 19:52
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ÖW-Chef Oberascher will mehr Qualität

Standard: Kann die sich abzeichnende positive Tourismusbilanz im heurigen Sommer noch vermiest werden?


Oberascher: Der Aufwärtstrend ist klar da. Da dürfte nichts mehr passieren. Es gibt keinen Grund, von den erwarteten sechs Prozent Umsatzplus im heurigen Sommer abzurücken. Vielleicht wird es sogar ein bisschen mehr.

STANDARD: Sind die Betten voll, stellt die Branche das meist als ihr Verdienst dar, fehlen Gäste, wird häufig das Wetter bemüht. Wie wichtig ist das Wetter?


Oberascher: Für Betriebe, die ihren Gästen außer Bett und Verpflegung nichts bieten können, spielt das Wetter eine große Rolle: Ein bisschen Regen, und das Haus ist schnell leer. Qualitätsbetriebe mit einem breiten Angebot an Sport-und Unterhaltungsmöglichkeiten sind wetterunabhängig. Die können auch Regenperioden durchtauchen.

STANDARD: Die ÖW machte im Vorjahr mehr durch Personaldiskussionen von sich reden als durch Werbeauftritte. Die Tourismusbilanz war trotzdem erfreulich. Ist die ÖW überhaupt noch notwendig?


Oberascher: Die Personaldiskussion war unerfreulich, hat zum Glück aber nur in Österreich Wellen geschlagen. Da das Marketingprogramm durchgezogen wurde, hielt sich der Schaden in Grenzen. Österreich braucht die ÖW. Dachmarkenwerbung kann nur eine nationale Tourismusorganisation machen.

STANDARD: Sie haben weniger Geld zur Verfügung als Ihre Vorgänger. Kann man damit überhaupt sinnvoll werben?


Oberascher: Dank der Leistungsverträge mit den Ländern haben wir die Ausfälle nahezu kompensiert. Wir haben heuer gut 600 Millionen zur Verfügung, damit lässt sich doch was machen.

STANDARD: Welche Akzentverschiebungen planen Sie im Werbeauftritt?


Oberascher: Ziel ist die Verlängerung der Sommersaison. Wir wollen auf emotionale Werbung setzen und mit dem Thema Wasser arbeiten. Auch wollen wir stärker heimische Produkte in die Tourismuswerbung hineinnehmen. Wein, Tiroler Speck, Steirisches Kernöl oder Süßigkeiten aus Wien werden mit Österreich assoziiert, und der Gast zahlt auch noch dafür.

STANDARD: Die Konjunktur lahmt, das Reisefieber scheint aber ungebrochen. Ist die Tourismusbranche krisenfest?


Oberascher: Leider nein. Im Tourismus wirken sich Konjunktureinbrüche zeitverzögert aus. Abhängig von der Dauer der Konjunkturflaute kann 2002 ein schwieriges Jahr werden für den Tourismus. Wir werden Maßnahmen setzen, damit der Einbruch nicht zu stark wird. (stro)

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