Schlechte Aussichten für 2002

27. August 2001, 12:34
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Heuer lacht den Touristikern noch das Herz, für nächstes Jahr sind die Erwartungen gedrückt

Wien - "Im nächsten Jahr kann es eng werden für uns. Wenn der Konjunktureinbruch länger dauert, schlägt sich das auf das Urlaubs- und Reiseverhalten nieder", sagte der Tourismusspezialist des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), Egon Smeral, im Gespräch mit dem STANDARD.

Martin Uitz, Chef der Salzburger Land Tourismus Gesellschaft, assistiert: "Die Angst um den Arbeitsplatz ist der Hauptfeind des Tourismus. Wenn der Job wackelt, bleibt man lieber zu Hause."

Entscheidend werde sein, was sich in Deutschland tut. Mit einem Anteil von 46 Prozent an den Gesamtnächtigungen sind deutsche Urlauber die mit Abstand wichtigste Gästegruppe in Österreich. "Erholt sich die Wirtschaft dort rasch, trifft es uns wenig. Dauert die Konjunkturflaute hingegen länger, kann es schlimm werden", sagte der Chef der Österreich Werbung (ÖW), Arthur Oberascher. Sicherheitshalber will die ÖW gegensteuern, etwa durch eine noch stärkere Positionierung Österreichs als Kurzurlaubsland, die Erschließung neuer Märkte und die Fortsetzung der Qualitätspredigt.

Karl Seitlinger, Chef des Wien Tourismus, fürchtet wegen möglicher Einsparungen bei Geschäftsreisen negative Auswirkungen auf den Fremdenverkehr in der Bundeshauptstadt. "In wirtschaftlich schwierigen Zeiten wird bei Geschäftsreisen als Erstes der Sparstift angesetzt."

Für heuer sind die Aussichten noch sonnig. "Reise- und Urlaubsentscheidungen fallen meist um ein Jahr zeitversetzt", sagte Wifo-Mann Smeral. Aufgrund der sehr guten Konjunktur im Vorjahr habe sich die inzwischen eingetretene Stimmungsverschlechterung noch nicht negativ auf das heurige Reiseverhalten ausgewirkt. Die Tourismusumsätze in der laufenden Sommersaison dürften auf die neue Rekordmarke von knapp 110 Mrd. S (7,8 Mrd. EURO) klettern, ein Plus von sechs Prozent. "Ich sehe keinen Grund, diese Prognose zu revidieren", sagte Smeral. Die Zahl der Nächtigungen werde voraussichtlich auf Vorjahresniveau (59,6 Mio.) stagnieren.

Wegen der Feiertagsverschiebung seien die Mai-Resultate heuer stärker, die Juni-Ergebnisse schwächer; der Juli sei "insgesamt nicht berühmt" gewesen, der August sei wieder besser. Smeral: "Die Ernte eingefahren wird im August, September und Oktober".

Dem stimmt auch der Präsident der Österreichischen Hoteliervereinigung, "Rösslwirt" Helmut Peter, zu. "Die Saison gewinnt man an den Rändern. Wenn man in der Hauptsaison die Betten nicht voll kriegt, kann man sich sowieso die Kugel geben."

(Günther Strobl, der Standard, Printausgabe, 27.08.2001)
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