Katholische Schlüsselkräfte

26. August 2001, 20:47
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Ausländische Priester fallen nicht in die Zuwanderungsquote

Wr. Neustadt/Villach - Herr Okuga Williams ist so etwas wie eine Schlüsselkraft. Ein Spezialist, der in Österreich gebraucht wird. Sein Einsatzort derzeit: Wiener Neustadt. Sonst Uganda. Okuga Williams ist katholischer Priester und seit einem knappen Monat Pfarrer der Gemeinde Neu Kloster. Der "Echte" ist derweilen auf Sommerfrische.

Da auch Priester auf Urlaub fahren wollen, haben Österreichs Pfarren Priester aus aller Welt als Urlaubsvertreter eingeladen. Oft suchen sich die Pfarrer selbst ihren Ersatzmann. Mancherorts hilft auch das zuständige Pastoralamt. Beispiel Diözese Salzburg: Dort werden heuer im Sommer 30 Urlaubsvertreter eingesetzt. Vor allem Deutsche sind hier. In der Diözese Linz werken über 50 Polen, Kenianer, Sudanesen, Nigerianer, Inder und sogar ein Chinese. Ausländische Priester fallen nicht in die Zuwanderungsquote. Jede Diözese kann nach Bedarf Seelsorger ins Land holen. Eine der Bedingungen dafür: Sie muss für deren Unterhalt sorgen.

Pfarrer Williams gefällt es in Wiener Neustadt. "Die Stadt ist relativ klein, die Leute offener als woanders", sagt er im Gespräch mit dem STANDARD. Studiert hat der Mann aus Uganda in Innsbruck. Dort seien die Leute verschlossener. Anfangs wären die Kirchgänger schon überrascht gewesen, nun "fragen sie mich immer, ob ich hier bleibe". Aber nicht überall in Niederösterreich ist Multikulti gefragt. "In einer anderen Gemeinde wollten die Leute nicht mit mir reden. Sie haben schlimme Sachen erzählt."

Im September wird er wieder in Uganda arbeiten. "Dort werde ich dringender gebraucht." In Erinnerung wird ihm eines bleiben: "Schwarzafrikaner verbindet man in Österreich immer mit etwas Schlechtem, mit Drogen."

Matumona Benoit Nzonzi hat auch in Innsbruck studiert. Er kommt aus dem Kongo, arbeitet in der Pfarre St. Jakob in Villach. Auch er hat seine Probleme mit Österreich, genauer mit Kärnten. Da wären einmal die Kärntner Spezialitäten. Kasnudeln habe er einmal probiert - "Nein danke!" Und etwas einsam fühle er sich: "Die jüngeren Familien leben meistens am Rand der Stadt. Hier sind eher die Senioren." Zu Beginn habe er mitunter Angst gehabt, dass man "als Afrikaner auf der Straße nicht ungestört gehen kann". Doch das stimme nicht. Die Leute würden ihr Land lieben, und das gefalle ihm. Wie es in St. Jakob läuft, hat Nzonzi schnell herausgefunden: "Für die alten Menschen ist das Rosenkranzbeten irrsinnig wichtig." Matumona Nzonzi wird noch bis nächstes Jahr in Villach bleiben, dann geht er zurück in den Kongo, um die reale Auswirkung seiner universitären Forschung studieren zu können: "Schlüsselpunkte des afrikanischen Widerstandes gegenüber der katholischen Kirche." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.8.2001)

Von Peter Mayr
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