Die Ottonen

26. August 2001, 17:33
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Große Ausstellung in Magdeburg widmet sich dem mittelalterlichen Königsgeschlecht und seiner Epoche

Magdeburg - Mit der am Sonntag eröffneten 27. Europarats-Ausstellung und Landesausstellung von Sachsen-Anhalt "Otto der Große, Magdeburg ist und Europa" ist das Kulturhistorische Museum Magdeburg für 100 Tage zur (bis 2. Dezember) "Schatzkammer auf Zeit" geworden. Goldschmuck aus Byzanz, Silberschätze aus Skandinavien, islamische Bergkristallarbeiten, prachtvoll verzierte Handschriften und Elfenbeinarbeiten aus England, Italien, oder Frankreich zeugen von Kunst und Kultur des 10. Jahrhunderts. Zahlreiche archäologische Funde führen Paläste und Pfalzen Otto I. (912-973), aber auch Siedlungen und das Alltagsleben der Menschen unter der Herrschaft des Ottonen-Geschlechts vor.

Den Ausstellungsmachern um Museumsdirektor Matthias Puhle ist es gelungen, Exponate von höchstem Rang aus aller Welt zusammenzutragen. Dabei muss man berücksichtigen, dass Zeugnisse des frühen Mittelalters nur spärlich erhalten sind und der Zustand der zum Teil über 1000 Jahre alten Urkunden, Bücher, Schmuck- und Gebrauchsgegenstände eine rege Ausstellungstätigkeit verbietet. Puhle ist sich sicher, dass einige der Stücke in Magdeburg das letzte Mal zu sehen sein werden, bevor bevor sie aus konservatorischen Gründen der Öffentlichkeit entzogen werden müssen.

Was gezeigt wird

Zu den wichtigsten Exponaten gehören 16 Elfenbeintafeln mit Darstellungen des Kaisers und seiner Familie. Darunter ist eine Darstellung von der Stiftung des Magdeburger Doms durch Otto I., die sich heute im Metropolitan Museum New York befindet. Die vermutlich 968 in Mailand entstandene Arbeit ist das Plakatmotiv der Ausstellung. Otto I. wurde später auch im Magdeburger Dom beigesetzt.

Zu sehen ist auch das so genannte Krönungsevangeliar der englischen Könige. Die Pergamenthandschrift aus dem späten 9. Jahrhundert, heute im Besitz der British Library in London, enthält die Namenseinträge Otto des Großen und seiner Mutter Mathilde. Auf das Buch sollen die englischen Könige in späteren Jahrhunderten ihren Eid abgelegt haben.

Große Aufgabe

Rund sechs Jahre Vorbereitung und viel Überzeugungsarbeit bei 170 Leihgebern aus 21 Ländern (u.a. auch Österreich, Belgien, Bulgarien, der Schweiz, Dänemark, Spanien, Frankreich, Großbritannien, Ungarn, Italien, Schweden, Norwegen und den USA) waren nötig, um eine der umfassendsten Mittelalterausstellungen auf die Beine zu stellen, die es in Deutschland je gegeben hat. Dabei stammen viele der Exponate auch aus dem geschichtsträchtigen Sachsen-Anhalt - etwa aus den Domschätzen in Halberstadt und Quedlinburg. Darunter ist auch ein über 1000 Jahre alter Mantel, den der Kaiser selbst getragen haben soll.

Otto I. gilt als einer der bedeutendsten Herrscher im frühen Mittelalter. Nach der Abwehr von Normannen, Ungarn und Sarazenen erlebte Europa in seiner Zeit einen unvergleichlichen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung. Unter anderen bildete sich in Ansätzen das heutige Gefüge der Nationalstaaten heraus. Nicht zuletzt deshalb erhielt die Magdeburger Schau auch die Auszeichnung, 27. Ausstellung des Europarats zu werden. (APA/dpa)

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