Beginn der NATO-Entwaffnungsaktion in Mazedonien in Gefahr

26. August 2001, 15:23
1 Posting

Sicherheitsrat in Skopje berät nach neuem Anschlag

Skopje - Ein heftiger Streit über die Zahl der einzusammelnden Rebellenwaffen hat den für Montag geplanten Start der NATO-Entwaffnungsaktion in Mazedonien gefährdet. Eine Einigung zwischen der Militärallianz und der mazedonischen Regierung über eine "glaubwürdige Zahl" von Rebellenwaffen stehe weiter aus, sagte ein NATO-Sprecher am Sonntag in Skopje.

Ein mazedonischer Regierungsvertreter hatte am Samstagabend gesagt, Präsident Boris Trajkovski erwäge einen Einspruch gegen die Mission "Essential Harvest", wenn die NATO die Zahl der einzusammelnden Waffen nicht deutlich erhöhe. Skopje geht davon aus, dass die Albanerrebellen über zwischen 60.000 und bis zu 100.000 Waffen verfügen; die Allianz will bis zu 3500 Waffen von der "Nationalen Befreiungsarmee" UCK einsammeln. Die gespannte Situation in dem Balkanstaat eskalierte am Sonntag erneut: Bei einem Anschlag auf ein Hotel nahe Tetovo wurden zwei Menschen auf brutale Weise getötet.

Massive Unterschiede

In den am Freitag begonnenen Gesprächen über die Entwaffnung wurden massive Unterschiede zwischen der Einschätzung der NATO und der Haltung der mazedonischen Regierung deutlich. NATO-Sprecher Barry Johnson sagte dazu am Sonntag in Skopje, die Allianz sei "flexibel". Sie bereite sich aber nach wie vor auf einen Beginn der Aktion am Montag vor. Nach Angaben westlicher Armeevertreter verhandelte die NATO auch mit den Albanerrebellen erneut über die Zahl der Waffen. Der mazedonische Regierungschef Ljubco Georgievski hatte die von der NATO genannte Zahl von 3500 Waffen am Samstag als "lächerlich" bezeichnet. Johnson entgegnete, die Kritik betrachte er nicht als offizielle Stellungnahme der Regierung. Unterdessen traf ein französisches NATO-Kontingent im griechischen Saloniki ein. Die 350 Soldaten sollten noch am Sonntagabend Mazedonien erreichen.

Der mazedonische Nationale Sicherheitsrat hat als Reaktion auf den neuen tödlichen Anschlag im Nordwesten des Landes ein Dringlichkeitstreffen einberufen. Dabei sollte auch über die NATO-Pläne zur Entwaffnung albanischer Rebellen gesprochen werden, sagte ein Regierungssprecher in Skopje. Die mazedonische Polizei macht Rebellen für die Tat verantwortlich. Mutmaßlich Rebellen hatten südlich der Albanerhochburg Tetovo ein Motel in die Luft gesprengt. Dabei waren zwei Menschen ums Leben gekommen. (APA/dpa)

Share if you care.