"Gürtel Nightwalk" als Publikumsmagnet

26. August 2001, 14:42
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15.000 Besucher gaben sich Kultur inmitten der Verkehrslawine

Wien - Der Gürtel ist in mehrfacher Hinsicht ein neuralgischer Punkt im Stadtbild Wiens. Zum einen verbindet er die inneren Bezirke mit denen der Vorstadt, die erst im Jahre 1890 der Metropole eingemeindet wurden, und zum anderen ist er nach wie vor die bedeutendste Verkehrsachse innerhalb der Stadt. Auch wenn er als meistbefahrene Straße Österreichs und auf Grund diverser einschlägiger Nachtclubs nach wie vor nicht gerade als die feinste Adresse der Bundeshauptstadt gilt, so wurden in den vergangenen Jahren doch diverse Initiativen gestartet, um den Gürtel kulturell (neu) zu beleben. Eine dieser Aktivitäten ist der alljährliche 'Gürtel Nightwalk' Ende August, der heuer zum vierten Mal stattfand. Laut Angaben des Veranstalter, der SPÖ Wien, nahmen wie bereits im vergangenen Jahr an die 15.000 Besucher an teil.

Urbanes Bindeglied

Der 'Nightwalk' spiegelt die Funktion des Gürtels als urbanes Bindeglied wieder, zumal auf dem gut ein Kilometer langen Abschnitt zwischen den U-Bahn-Stationen Alser Straße/Josefstädter Straße/Thaliastraße Veranstaltungen aus verschiedenen kulturellen Bereichen wie Musik, Literatur, Film, Theater vereint werden, was sich nicht zuletzt auch in der Publikumsmischung manifestiert.

Eingebunden sind in den "Kulturkilometer" inmitten der beiden dreispurigen Fahrspuren des Gürtels, an dem während des 'Nightwalks' der nächtliche Autoverkehr vorbeidonnert, die Lokale und Vereine, die sich wie etwa die Szene-Lokale Rhiz und B72 zum Teil erst in den vergangenen Jahren im genannten Bereich angesiedelt haben. Traten beim 'Nightwalk' im Vorjahr auch international bekannte Formationen wie die Hamburger "Stella" auf, so lag der musikalische Schwerpunkt in diesem Jahre auf heimischen Musikacts wie etwa "The Mario A. Machacek Group", der "Doubble Standart Band" oder dem Wiener "Duo 505".

Das Programm

Auf der Bühne vor dem B72 spielte die Oberösterreicher 'Shy' ihr vierundzwanzigstes und damit vorletztes Konzert im Rahmen der aktuellen Tour, dem rund dreihundert begeisterte Fans beiwohnten. Keyborder Peter Lang zu der für ein Open Air doch eher ungewöhnlichen Auftrittslocation: "Es war eine sehr interessante Erfahrung. Beim Soundcheck dachten wir noch: Um Gottes willen, das wird einfach zu laut werden mit dem Verkehrslärm. Atmosphärisch war es dann aber doch recht angenehm, denn erstens war es heuer unser erstes Open-Air, bei dem es nicht zu regnen begonnen hat, und auch die Stimmung bei unserem Konzert war sehr gut. Die Straßen haben uns im Endeffekt überhaupt nicht mehr gestört." Derzeit arbeitet die Band, die nach eigenen Angaben in Japan mehr Tonträger absetzt als in Österreich und Deutschland zusammen, an Songs für das neue Album, für das es noch keinen Titel gibt. Mit den Studioaufnahmen soll im Winter begonnen werden, der Album-Release ist für nächstes Jahr geplant.

Für einiges Aufsehen sorgte auch die Modeschau der etwas anderen Art mit dem Titel "Moskau Mode für GrenzgängerInnen" in der Wienstation, bei der Kleider der Designerin Lena Kvadrat/art point präsentiert wurden. Auf reges Besucherinteresse stieß auch Eröffnung der Light-walk Ausstellung im Atelier Grundsteingasse mit Objekten, Fotografie und Zeichnungen der Künstlerinnen Ula Schneider, Claudia Luenig und Ursula Janig.

Multikulti

Ein wesentlicher Aspekt des 'Nightwalks' ist neben dem Event-Charakter seit jeher auch die Betonung Wiens als einer kosmopolitischen Stätte im Herzen Europas. Der Vorsitzende des Vereins für Österreichisch-Türkische Freundschaft, Niyazi Oguz, meinte diesbezüglich: "Der 'Nightwalk' ist eine hervorragende Initiative, durch welche die Begegnung und der kulturelle Austausch zwischen Österreichern und Ausländern gefördert wird."

Freilich ist mit dem 'Nightwalk' auch ein deutliches komerzielles Interesse von seiten der Gastronomie verbunden. Die betreffenden Lokale dürfen sich über noch mehr Umsatz als an einem 'gewöhnlichen' Wochenende freuen und auch die Imbissbuden vor den U-Bahn-Stationen verzeichneten durchwegs mehr hungrige Nachtschwärmer als gewöhnlich. So meinte etwa die Besitzerin eines Würstelstandes etwas verzagt: "Jetzt ist es erst 23.00 Uhr und mir gehen schön langsam die Käsekrainer aus. Mit so vielen Leute habe ich ehrlich nicht gerechnet."

Auch die Veranstalter zeigten sich mit dem diesjährigen 'Nightwalk' zufrieden, zumal von seiten der Exekutivorgane, abgesehen von einigen wenigen Beschwerden über Lärmbelästigung durch Musik, keine gröberen Vorkommnisse gemeldet wurden, zufrieden. Kurt Stürzenbecher von der SPÖ Hernals und einer der Hauptorganisatoren sagte: "Der vierte 'Gürtel Nightwalk' war ein vierter großer Schritt hin zu einer Wiederbelebung des Gürtels im Projekt, dass der Gürtel wieder zu einem Brennpunkt städtischen Lebens mit einer lebenden Kultur- und Jugendszene im Interesse der Kultur dieser Stadt aber auch der Bewohner der umliegenden Gebiete wird. (APA)

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