Beim Olympiasieger kehrt der Optimismus zurück

27. August 2001, 14:10
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Das verletzte Bein muss nicht amputiert werden, Hermann Maier ist auf dem Weg der Besserung

Salzburg - Hermann Maier kann aufatmen. Einen Tag nach der siebenstündigen Operation im Unfallkrankenhaus Salzburg ist die Amputationsgefahr seines rechten Beines nach dem schweren Motorrad-Unfall in Radstadt am Freitagabend gebannt. Der 28-jährige Ski-Superstar ist auf dem Weg der Besserung und hat am Sonntag auch schon seine Familie, seine Freundin Gudrun sowie seine Betreuer im Olympiastützpunkt, Heini Bergmüller und Johannes Zeibig empfangen. Das berichteten die behandelten Ärzte am Sonntag bei einer Pressekonferenz.

"Es geht ihm schon weit besser als am Samstag" sagte Primar Alois Karlbauer, der auch berichtete, dass man die Probleme mit den Nieren im Griff habe. Am wichtigsten war für Maier aber wohl die Einschätzung des plastischen Chirurgen Christoph Papp, der für die Hauttransplantation vom Oberarm an den Oberschenkel verantwortlich war. "Das Hautstück ist gut durchblutet. Das bannt auch die Infektionsgefahr." Und ohne Infektionsgefahr ist auch eine Amputation vom Tisch.

Der Schock war gross

Arthur Trost berichtete, dass Hermann Maier ein vorbildlicher Patient sei, er mache alle Behandlungen mit. Er hat auch noch nie vom Ski fahren gesprochen, sondern nur davon, wieder gehen zu können." Der Schock sei bei seinem Patienten tief gesessen, so Trost. Denn beim Unfall war sein Bein vom Motorrad eingeklemmt und wurde dann beim Aufprall auf dem Gegenhang praktisch durchgeschlagen. "Er muss im ersten Moment, als er auf seinen Fuß gesehen hat, wirklich gedacht haben, dass er ihn verliert, weil er weggehangen ist." Umso wichtiger sei es, dass bereits am Sonntag mit ersten Rehbilitations-Übungen begonnen wurde. "Er hat jetzt selbst gesehen, dass der Fuß dran ist, dass er seine Zehen bewegen kann", sagte Trost.

Doch ist nicht nur der Bruch das Problem, immerhin hat Maier auch Muskelprellungen und Blutergüsse am ganzen Körper, eine Rissquetschwunde am Kopf, dazu hat er auch zwei Zähne verloren. "Die Prellungen können wir im Moment gar nicht behandeln, weil etwaige Lymphdrainagen wegen der zerstörten Muskulatur am Fuß nicht durchgeführt werden können, dazu kommt die medikamentöse Behandlung, Maier bekommt relativ viele Schmerzmittel.

Maier empfang erstmals seine Familie

Erstmals war Maier auch bereit, seine Familie und seine engsten Vertrauten zu empfangen. "Es geht einfach darum, dass der Hermann wieder gesund wird. Die Familie ist natürlich tief betroffen und geschockt", meinte sein Vater, "aber das Wichtigste ist die Gesundheit und im Moment nicht die Frage, ob er wieder Ski fahren wird können." Alle hätten geglaubt, dass Hermann ein "Supermensch" sei, dem nichts passieren könne. "Aber das ist er nicht, er ist ein Mensch wie jeder andere. Im Grudne hat er aber noch Glück im Unglück gehabt."

Auch der Präsident des österreichischen Ski-Verbandes, Peter Schröcksnadel, eilte am Sonntag ins Unfallkankenhaus. Schröcksnadel war gerade auf einem Geschäftstermin in Vancouver, buchte aber sofort um, als er vom Unfall erfuhr und traf nach 14-stündiger Reise in Salzburg ein. Den Doppel-Olympiasisger und Weltmeister konnte er aber nicht besuchen, denn der schlief gerade. Doch konnte der Tiroler zumindest in einer Hinsicht beruhigen. "Finanziell muss man sich um den Hermann keine Sorgen machen, er ist versichert. Und auch die Sponsoren haben keine Ausstiegsklausel im Falle einer Verletzung des Sportlers." Schlimmer sei der Verlust für das Team, "denn wir waren auch deswegen so stark, weil alle den Hermann schlagen wollen." Doch sei der Sport im Moment ohnehin Nebensache. "Es geht um seine Gesundheit. Hermann hat schon alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt, da gibt es keine Steigerung mehr."

Auch Johannes Zeibig, sein medizinischer Betreuer im ÖSV-Olympiastützpunkt Obertauern, war mit der Verfassung seines Schützlings zufrieden. "Hermann hatte am Samstag ein Tief, keine gute Phase. Aber das ist nach der langen Narkose und der Operation normal. Heute geht es ihm im Vergleich dazu wesentlich besser, er hat schon wieder leichte Anzeichen von Mut. Und es ist wichtig, wenn man bei einem Bekannten oder einem Angehörigen, der einen Unfall hat, wieder auch nur einen Funken Mut spürt", erklärte er. (APA)

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