Hermann Maier - der verspätete Superstar

25. August 2001, 23:19
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Als Jugendlicher aus allen Kadern geflogen wurde der Salzburger zur dominanten Figur im Weltcup

Salzburg/Wien - Bei den Olympischen Winterspielen in Nagano war nicht einmal ein Horror-Crash in der Abfahrt in der Lage gewesen, Hermann Maier zu stoppen. Doch seit Freitagabend müssen die Fans um die sportliche Zukunft ihres Idols bangen. Ein schwerer Motorrad-Unfall, könnte laut Auskunft der behandelnden Ärzte im schlimmsten Fall das vorzeitige Ende der Karriere für den erfolgreichsten österreichischen Skiläufer der Geschichte bedeuten.

Vom Maurer zum Millionär

Maiers sportliche Erfolgsstory liest sich wie die österreichische Version der Realisierung des amerikanischen Traums. Der Mann aus Flachau schaffte es zwar nicht vom "Tellerwäscher zum Millionär", aber vom zarten, zerbrechlichen Jugendlichen und Maurer zum Ski-Superstar, der von 1998 bis 2000 drei Mal in Serie zu "Österreichs Sportler des Jahres" gewählt worden ist.

"Phänomen Maier", der "Außerirdische" und "Herminator" sind die bekanntesten Beinamen, die der zweifache Olympiasieger von Nagano 1998 (Super G und Riesentorlauf) und Doppelweltmeister von Vail 1999 (Abfahrt und Super G) von Journalisten auf Grund seines kompromisslosen und furchtlosen Fahrstils erhalten hat. Termini, die nicht übertrieben sind, für einen der nur drei Tage nach einem fürchterlichen Sturz auf der Olympia-Abfahrt in Hakuba zu Gold im Super G raste.

Eingang durch die Hintertür

Dabei fing alles ganz anders an: Zu klein und zu schwächlich, lautete das Urteil seiner Jugend-Trainer. Und so wurde Hermann aus allen ÖSV-Kadern entlassen und durfte auch die Schule nicht abschließen, während sein Klassenkamerad in der Skihandelsschule Schladming, Christian Mayer, Karriere machte. Doch Maier trainierte neben seiner Arbeit als Maurer verbissener als je zuvor. So wurde schließlich aus dem ehemals schwächlichen Jüngling ein 1,81 m großer und 90 kg schwerer, voll austrainierter Modell-Athlet.

Seinen Aufstieg im Weltcup-Zirkus hat er nicht zuletzt Slalom-Ass Michael Tritscher. Der empfahl dem damaligen ÖSV-Slalom-Trainer Fritz Vallant eindringlich "sich diesen Burschen doch einmal anzusehen". Nachdem Maier bei den österreichischen Meisterschafte mit der letzten Nummer noch 18. wurde, schickte Vallant den Salzburger zu FIS-Rennen. Wenig später - im Jänner 1995 - sorgte Maier dann als Vorläufer beim Weltcup-Riesentorlauf in seiner Heimatgemeinde Flachau mit der inoffiziell zwölfschnellsten Zeit für weiteres Aufsehen.

Unaufhaltsam

Danach ging's Schlag auf Schlag. Zuerst fuhr Maier im Europacup die Konkurrenz in Grund und Boden und holte sich souverän die Gesamt- und Riesentorlauf-Wertung. Beim ersten Weltcup-Einsatz beim Saisonfinale 1996 in Lillehammer belegte er im Super G auf Anhieb Platz elf. In der Folgesaison stoppte den Flachauer zunächst ein Knochenbruch der linken Hand, den er sich in Chamonix zuzog, doch beim Comeback knapp sechs Wochen später im Februar 1997 raste er in den Super G's auf die Plätze zwei und eins.

Ab da war der "Herminator" nicht mehr zu stoppen: 1998 wurde er in Nagano Doppel-Olympiasieger sowie erstmals Gesamtweltcup-Gewinner, 1999 folgten die nächsten beiden Titel bei der WM in Vail. In der Zwischensaison 1999/2000 ohne Großereignis dominierte er den Gesamtweltcup nach Belieben, wie der Punkteweltrekord von 2000 Punkten eindrucksvoll beweist. 2001 wiederholte er diesen Erfolg, während er bei der Heim-WM in St. Anton mit Abfahrtssilber und Super-G-Bronze überraschend ohne Titel blieb.

So gut wie nie zuvor

Die Medaillensammlung sollte nun im Februar 2002 bei den Winterspielen in Salt Lake City gehörig aufgestockt werden. Die Voraussetzungen dafür waren perfekt, wie das erst diese Woche beendete Trainingslager in Chile, wo Maier mit der Konkurrenz teilweise Katz und Maus spielte, und seine laut Betreuer Heinrich Bergmüller optimale physische Verfassung ("Seine Werte waren besser als im Vorjahr") bewiesen. (APA)

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