Uneinigkeit über Zahl der abzuliefernden UCK-Waffen

27. August 2001, 09:19
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Mazedonischer Ministerpräsident Georgievski nennt NATO-Ziel von 3.000 Waffen lächerlich

Skopje - Trotz Unstimmigkeiten mit der mazedonischen Regierung über die Zahl der einzusammelnden Waffen albanischer Rebellen ist die NATO zuversichtlich, dass die Aktion wie geplant am Montag beginnen kann. Positives Signal dafür war die von Sicherheitskräften und Rebellen am Samstag bekundete Bereitschaft, in besonders gefährlichen Gebieten Pufferzonen für die NATO-Soldaten einzurichten, in denen die Waffen abgegeben werden sollen.

"Lächerlich"

Allerdings zeigte sich Ministerpräsident Ljubco Georgievski unzufrieden mit der zwischen NATO und Rebellen ausgehandelten Zahl von rund 3000 Waffen, die eingesammelt werden sollen. "Ich denke, es ist lächerlich, von 3500 Stück ein halbes Jahr nach Beginn der Krise zu sprechen", sagte der Regierungschef. "Wenn es bei der Zahl bleibt, werden wir gar nichts erreichen." So viele Waffen hätten die Regierungstruppen sonst bei einer einzigen Razzia erbeutet. Die Regierung in Skopje vermutet 85.000 Waffen im Besitz der Rebellen.

Die Allianz spielte die Unstimmigkeiten herunter. "Wir sind sehr zuversichtlich, dass dieser Prozess voranschreiten wird und unsere Zahlen als realistisch akzeptiert werden", erklärte NATO-Sprecher Barry Johnson. Die Zahl der einzusammelnden Waffen muss vor Beginn der Aktion vereinbart worden sein. Ein Drittel der Menge soll bis zum Ende der kommenden Woche eingezogen worden sein und es so ermöglichen, den politischen Teil des Friedensabkommens umzusetzen. Dafür muss eine besondere Parlamentssitzung einberufen werden.

Dunkelziffer

Die Militärzeitschrift "Jane's Defence Weekly" zitierte in ihrer am Samstag erschienenen Ausgabe Geheimdienstkreise, wonach die Rebellen allein über 8.000 Sturmgewehre verfügten. Die Zahl der Gewehre unter der mazedonischen Bevölkerung schätzte das Magazin mit Verweis auf die Waffenkultur in vielen Balkanstaaten auf 25.000; außerdem soll es mindestens doppelt so viele Handfeuerwaffen geben.

"Wir haben eine realistische Zahl erreicht, die aber nicht zur Debatte steht", sagte NATO-Sprecher Johnson am Freitag. Der mazedonische Verteidigungsminister Vlado Buckovski erklärte, das entscheidende Thema sei nicht die Zahl der Waffen, sondern die Schaffung von Bedingungen, unter denen die Vertriebenen zurückkehren könnten.

In der Nacht zum Samstag gab es nahe der Stadt Tetovo vereinzelte Schießereien. Eine Explosion zerstörte laut mazedonischer Polizei einen Kontrollposten. Verletzt wurde offenbar niemand. (APA)

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