Berlusconi weiter gegen FAO-Gipfel in Rom

26. August 2001, 13:17
2 Postings

Weltnährungsorganisation gegen Austragung des Gipfels in Frascati nahe Rom

Porto Rotindo/Rom - Die negativen Erfahrungen mit dem G-8-Gipfel in Genua bestärken den italienischen Premierminister Silvio Berlusconi in der Meinung, dass der im November geplante Gipfel der UNO-Weltnährungsorganisation FAO nicht in Rom staffinden soll. Wie italienische Medien am Samstag berichteten, habe sich Berlusconi - der zurzeit im Urlaub auf Sardinien weilt - neuerlich dezidiert gegen den FAO-Gipfel in der Ewigen Stadt ausgesprochen, da wieder gewalttätige Ausschreitungen von Globalisierungsgegner zu befürchten seien. Gleichzeitig zeigte der Premier aber Zustimmung für den NATO-Außenministergipfel in Neapel, der am 26. September stattfinden soll.

Granate loswerden

"Ihr wisst, was ich denke", sagte Berlusconi vor Journalisten, die den Premier auch im Urlaub auf Schritt und Tritt verfolgen. "Die NATO in Neapel, der andere Gipfel hingegen...", führte er weiter aus und machte eine abwehrende Handbewegung, die von der konservativen Mailänder Tageszeitung so beschrieben wurde: "Mit den Händen machte er eine Geste, als ob er eine Granate loswerden wollte."

Angeblich sei seitens der Regierung auch der Vorschlag gemacht worden, den FAO-Gipfel aus Rom in die nahegelegene Stadt Frascati - berühmt für ihren Wein - zu verlegen. Dies wurde aber dem Vernehmen nach von der Weltnährungsorganisation schroff abgelehnt: Entweder verlagere man die Konferenz in ein anderes Land (vier afrikanische Staaten haben dafür bereits Zustimmung signalisiert), oder man bleibe in Rom, seit Jahrzehnten der Hauptsitz der FAO. Den Gipfel in einen Vorort der italienischen Hauptstadt zu verlegen, sei von Diplomaten der FAO als "Degradierung" bezeichnet und dementsprechend abgelehnt worden, berichtete die linkliberale römische "La Repubblica".

Entscheidung bis 30. August

Den Spekulationen um den Austragungsort will der italienische Premier selbst schon in einigen Tagen ein Ende bereiten: "Unsere Entscheidung werden wir am 30. August bekannt geben, dann wird der Ministerrat wieder zusammentreten." Zuvor will aber Berlusconi, der als erfolgreicher Medienunternehmer viel von Demoskopie hält, eine groß angelegte Meinungsumfrage durchführen lassen. "Es ist wichtig zu wissen, was sie Einwohner (Roms) denken", erklärte Berlusconi, der im sardischen Porto Rotondo in Begleitung seines langjährigen persönlichen Freundes, dem Starjournalist Emilio Fede, auch medienwirksam mit dem konservativen ehemaligen Staatspräsidenten Francesco Cossiga zusammentraf.

Meinungsumfragen haben Berlusconi schon zu zwei Wahlsiegen - 1994 und 2001 - geführt, aber auch mehr als einmal in gehörige Schwierigkeiten gebracht: Als im Sommer 1994 der damals frisch zum Regierungschef gewählte Berlusconi zahlreiche wegen Korruptionsverdachts inhaftierte Politiker und Industrielle amnestieren wollte, beruhte seine Entscheidung auf Umfragewerten, die dem Thema nur zu einem Prozentpunkt "große Wichtigkeit" zumaßen. Mit Bekanntwerden seiner Pläne durch die Medien richtete sich aber ein Sturm der Entrüstung gegen die Regierung, Berlusconi musste sein Vorhaben stoppen. (APA)

Share if you care.