Genua: Dossier des Polizeichefs bestätigt Abhöraktion

25. August 2001, 11:33
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Lauschangriff auf Genoa Social Forum und VolxTheaterKarawane

Rom/Wien - Die italienischen Behörden haben vor und während des G-8-Gipfels systematisch Organisationen und Gruppen von Globalisierungsgegnern abgehört. Das geht aus italienischen Medienberichten vom Samstag hervor. So schreibt die linksliberale Tageszeitung "La Repubblica", dass die Telefone der Dachorganisation der Globalisierungsgegner "Genoa Social Forum" (GSF) bereits Wochen vor dem Gipfel - der von schweren Krawallen mit einem Todesopfer gekennzeichnet war - lückenlos abgehört wurden. Auch die Mitglieder der österreichischen "VolxTheaterKarawane" sollen im Gefängnis abgehört worden sein, wie aus einer Aussendung des Nachrichtenmagazins "Format" vom Samstag hervorgeht.

Dosier "Blocco Nero"

Wie "La Repubblica" berichtet, hätten die abgehörten Gespräche des GSF zunächst vor allem unverdächtige Inhalte gehabt. Im Lichte der Ereignisse müssten aber einige Telefonate nun anders bewertet werden. Ausdrücklich wird aber seitens der ermittelnden Staatsanwaltschaft betont, dass in keinem der Gespräche Hinweise auf tatsächliche kriminelle Taten vorlägen, sonst hätte man bereits eingegriffen. Das Dossier des Polizeichefs an die Staatsanwaltschaft trägt den Titel "Blocco Nero" und beschreibt die Abhöraktion des GSF detailliert auf zirka 40 Seiten.

In der Haft gelauscht

Auch die in Alessandria einsitzenden Mitglieder der "VolxTheaterKarawane" seien abgehört worden. Die ermittelnde Staatsanwältin Anna Canepa habe gegenüber "Format" bestätigt, dass nicht nur deutsche, sondern auch österreichische Globalisierungsgegner belauscht worden seien. Italienische Zeitungen hatten zuvor unter Berufung auf Abhörprotokolle der Exekutive berichtet, Aktivisten hätten sich abgesprochen, Polizeiübergriffe zu erfinden, um die Aufmerksamkeit der Medien zu erregen.

Anklage in einem Jahr

Anklage gegen die VolxTheater-Aktivisten wolle die italienische Justiz spätestens in einem Jahr erheben. Canepa: "Wenn sie sich in Italien nicht stellen, wird in Abwesenheit gegen sie verhandelt."

Am Samstag sollen in Italien indes fünf weiterhin inhaftierte Deutsche von der Staatsanwaltschaft wieder verhört werden. Ihnen wird Verbindung zu bzw. Mitgliedschaft bei Organisationen wie dem militanten "Black Block" vorgeworfen. (APA)

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