Furcht vor Viren in Stammzellen

24. August 2001, 20:10
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Neues Problem für US-Forschung

Washington - Jene embryonalen Stammzellen, mit denen öffentlich geförderte Forschung in den USA nach dem Willen von Präsident Bush arbeiten dürfen soll, werden laut Washington Post vermutlich nie in der Medizin eingesetzt: Sie könnten Mäuseviren in sich tragen.

Die Zellen stammen zwar von menschlichen Embryonen, aber kultiviert werden sie auf "Futterzellen" von Mäuseembryonen, auf denen sie besonders gut gedeihen: Die Mäusezellen versorgen sie vermutlich mit Wachstumsfaktoren. Wenn aber diese von Mäuse- zu Menschenzellen wandern, könnte auch anderes kommen: Viren, die in Mäusen leben - in ihrer DNA - und ihnen nichts tun, aber Menschen gefährlich werden könnten.

Xenotransplantate

Das ist die große Furcht auf einem anderen Gebiet der Biotechnik, der Übertragung von Gewebe und Organen von Tieren auf Menschen ("Xenotransplantation"). Dafür stehen zwar schon genmanipulierte Schweineherden bereit, man hat aber noch nichts transplantiert, weil auch Schweine Viren haben. Im schlimmsten Fall könnten sie für die Menschen eine Pandemie bringen wie HIV, das auch von Tieren - Affen - kam.

Nun hat die US-Regulierungsbehörde Food and Drug Administration (FDA) embryonale Stammzellen zu Xenotransplantaten erklärt und damit ihrer Zuständigkeit unterworfen. Und Xenotransplantate genehmigt sie bisher nicht, eine Änderung dieser Praxis ist auch nicht zu erwarten.

Damit könnte die Stammzellforschung in den USA bald zum Erliegen kommen: Alle 60 Zelllinien, die Präsident Bush für die Universitätsforschung freigeben will, wurden auf Mäusezellen kultiviert. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25./26.8.2001, jl)

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