Reinemachen bei Lara Croft

25. August 2001, 14:03
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Na, zurück vom Urlaub? Und die Wohnung ist ein bissl verstaubt? Es gibt neben dem Frühjahrs- auch den Rückkehrputz. Und dafür gibt es seit einiger Zeit ein paar ungewöhnliche Geräte. Beutellose Staubsauger.

Selbst in Zeiten des schmalen Studentenbudgets stand eines fest: niemals selbst putzen, zumindest nicht Fenster, Böden und den Kühlschrank. Da ist es noch besser zu kellnern, für Meinungsforschungsinstitute lästige Telefonumfragen zu machen oder Zementsäcke zu schleppen, bevor man im Trapez an der Hausfassade hängt, darunter sechs Spuren Gürtelverkehr, und versucht, schlierenfrei Fenster zu putzen, faltenfrei zu bügeln oder schonungslos bis ins letzte Eck zu wischen. Wenn zwei Menschen mit dieser Einstellung aufeinander treffen, kann man getrost zusammenziehen, jemand Dritten in dieser Beziehung wird es immer geben, und es wird jemand sein, der die Hausarbeit macht.

Einzig das Staubsaugen ist da eine Extrakategorie.

So wie man mit einem fremden Hund durchaus gerne bereit ist, bei Wind und Wetter äußerln zu gehen, fühlt man sich beim Staubsaugen nie allein, hat stets einen treuen Begleiter, den man hinter sich herzieht, sie geben Laut und fressen Dreck. Und damit man sieht, dass etwas weitergeht, geben Staubsauger jetzt mehr positives Feedback denn je. Ein manischer Erfinder und Designer hat in England einige Jahre damit zugebracht, beutellose Staubsauger zu entwickeln, und hat mit ihrer schicken Hülle die poppige Transparenz des iMac vorweggenommen. Das Resultat war der Dyson, ein Staubsauger mit einem Cyclon, was bedeutet, das der Staub mittels Zentrifugalkraft entlang der Wände des zylindrischen Behälters in ein Behältnis geschleudert wird. Das leert man dann in den Hausmüll, und die Filter wäscht man im Waschbecken.

Das Tolle daran: kein Saugkraftverlust, wie das bei herkömmlichen Staubsaugern der Fall ist, wenn sich der Sack füllt, nie mehr Kollektionen nicht passender Staubsaugersäcke im Besenkammerl und - das ist das Beste daran: Bei allen Modellen sieht man den Saugerfolg, den sich füllenden Behälter, die Dreck-Schleuder. Spannend wie im Kino, eine perfekte Erläuterung der Zentrifugalkraft für Schulkinder, aber vielleicht nicht immer so appetitlich wie mit dem zum Testen verwendeten Kunststoffgranulat und Vogelsand.

Ein Haushalts-Tool für Menschen, die ein bisschen Motivation und Feedback brauchen.

Die Erfindung hat sich durchgesetzt, alle anderen Hersteller ziehen mit ähnlichen Produkten nach. Auch Dysons größter Konkurrent, Hoover, lässt sich auf zahlreiche Patentrechts-klagen ein, was nichts daran ändert, dass im britischen Englisch nach wie vor das Staubsaugen, ebenso wie hastiger Kokain-Konsum, als "to hoover" bezeichnet wird.

Die Kriterien:

Getestet wurden derzeit am österreichischen Markt befindliche beutellose Staubsauger nach Leistung, Handling, Lautstärke (=L), Design und Service des Herstellers. Von den Modellen mit verschiedenen Eignungen und Eigenschaften wurden solche, die für einen herkömmlichen Haushalt mit Parkett- und Teppichböden geeignet sind, gewählt. Da sie in unseren Breiten aus irgendeinem Grund nicht beliebt sind, wurden keine Standgeräte (das sind die hohen, schlanken, die man in England und den USA gerne verwendet) getestet. Wichtig waren hierbei Saugkraft, Staubaufnahme vom Teppich, Effizienz des Cyclons, Staubrückhaltevermögen (Saugleistung=S); Wendigkeit, Gewicht bzw. Tragekomfort, Aktionsradius, Auswechseln der Filter (Bedienung=B); Verständlichkeit der Bedienungsanleitung, Reparaturbedingungen, Servicenummern, Homepage und Garantieleistung (Kundendienst=KD); Anordnung der Bedienungselemente, Blick auf das Gesaugte, wiederum Handling und letztendlich auch die Gestaltung (Design=D). Allen gemein ist, dass man keine Flüssigkeiten aufsaugen darf und dass sie mit HEPA Filtern (High Efficiency Particulate Air) ausgestattet sind, die durch ihre bakterientötende Wirkung besonders auch für Allergiker geeignet sind.

Und das sind die Ergebnisse namens Top Gun, Deep Throat, Tschitti Tschitti Bäng Bäng und Nackte Kanone.

Von
Markus Eiblmayr
und Lilli Hollein
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