"Hells Angel" der Österreicher reitet durch Havanna

24. August 2001, 20:03
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Belgiens Luis Michel will Verhältnis zu Fidel Castro in die Gänge bringen

Havanna - Der Hell's Angel der Österreicher reitet durch Havanna: Belgiens Außenminister Louis Michel saß bei seinem Besuch in Kuba fest im Motorradsattel. Für die EU-Präsidentschaft versucht er dort, neuen Schwung ins Verhältnis zu Fidel Castro zu bringen. Zur Verbesserung seines Verhältnisses zu Österreich will Michel im kommenden Winter aber nicht Motorrad, sondern Ski-fahren.

Treffen mit kubanischen Dissidenten

Der belgische Außenminister Louis Michel ist als amtierender EU-Ratsvorsitzender in Havanna mit kubanischen Dissidenten zusammengetroffen. Bei dem Gespräch sei es unter anderem um die Lage der politischen Gefangenen auf Kuba und die miserablen Haftbedingungen in kubanischen Gefängnissen gegangen, sagte der Vorsitzende der Christlichen Befreiungsbewegung, Oswaldo Paya. An dem Treffen nahmen außer ihm die bekannten Dissidenten Marta Beatriz Roque, Rene Gomez Manzano und Gerardo Sanchez teil.

Treffen mit Castro

Michel war am Donnerstagabend mit Staats- und Parteichef Fidel Castro zusammengetroffen. Die Beziehungen zwischen Kuba und der EU leiden seit Jahren unter dem Streit um die Menschenrechte. Die EU hat von Kuba die Streichung politischer Delikte aus dem Strafgesetzbuch verlangt und davon den Abschluss eines Kooperationsabkommens abhängig gemacht. Kuba ist zu Zugeständnissen in Menschenrechtsfragen nicht bereit.

Kuba verärgert

Aus Verärgerung über die europäische Haltung hatte Kuba im vorigen Jahr seine Bewerbung um die Aufnahme in den Kreis der so genannten AKP-Staaten - Entwicklungsländer, die Handelsvergünstigungen der EU genießen - zurückgezogen. Die EU- Staaten sind aber wichtige Handelspartner. Einigkeit zwischen Brüssel und Havanna besteht dagegen in der Verurteilung der US- Sanktionen gegen die Karibikinsel.

Die kubanischen Dissidenten stehen auf Grund der jetzigen Gesetzeslage ständig mit einem Bein im Gefängnis. Sie sind häufigen Pressionen und Schikanen des Regimes ausgesetzt, das sie als "Konterrevolutionäre" und Handlanger der USA beschimpft. Der kubanischen Regierung passt es zwar nicht, dass sich ausländische Politiker mit den Dissidenten treffen, sie unternimmt aber nichts, um solche Treffen zu verhindern. (APA/DER STANDARD Print-Ausgabe, 25./26.8. 2001)

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