Eine päpstliche Komödie

24. August 2001, 19:11
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"Dal male il bene" in Innsbruck

Innsbruck - Ein Papst als Librettist, und noch dazu eines Verwirrspiels um die Liebe: Giulio Rospigliosi, der spätere Clemens IX., schuf 1653 mit Dal male il bene (Vom Schlechten zum Guten) nicht nur eine der ersten komischen Opern der Musikgeschichte, sondern lieferte damit auch den Beweis, dass im Vatikan nicht immer Lustfeindlichkeit herrschte.

Dass gleich zwei Komponisten bei der Vertonung dieses auf einem spanischen Schauspiel basierenden Librettos zu Werke gingen, ist ein weiteres Kuriosum dieser römischen Barockoper: Marco Marazzoli und Antonio Maria Abbatini, zwei Musiker aus der vatikanischen Musikfabrik, demonstrierten mit dieser im 17. Jahrhundert durchaus üblichen Gemeinschaftsproduktion allerdings ungewollt auch deren Problematik: Denn Marazzoli ist der deutlich bessere Komponist als Abbatini, dem der erste und dritte Akt der Oper zugeschrieben werden.

Was im zweiten, von Marazzoli komponierten Akt zu hören ist, klingt in der Tat hoch interessant: Mit wenigen instrumentalen Strichen lässt Marazzoli die Szenerie aus der latenten Situationskomik in eine melancholische Traurigkeit kippen, die bereits an Mozarts Figaro denken lässt.

Der Geist da Pontes schwebt auch über dem Libretto, das erstmals zwei Dienerfiguren in die Handlung einer Oper integriert: Marina und Tabacco sind als barocke Vorläufer Despinas und Leporellos zu deuten. Entsprechend finden sich in Dal male il bene auch zahlreiche burleske Duette, Terzette, sogar ein finales Sextett.

Dennoch konnte man mit der Aufführung der Oper bei den Innsbrucker Festwochen nicht so recht glücklich werden: Sosehr sich Attilio Cremonesi am Pult des auf zarten Originalinstrumenten spielenden Concerto vocale auch bemühte, die zahllosen Rezitative durch verschiedene Continuo-Besetzungen möglichst farben- und abwechslungsreich begleiten zu lassen, so wenig konnte er doch die zunehmende Monotonie der langen rezitativischen Monologe und Dialoge des ersten und dritten Akts durchbrechen.

Farbtupfer in den Ritornellen und Ariosi durch Violinen, Blockflöten und Tamburin brachen zwar dann und wann die monodischen Gesangslinien auf, doch die umschweifende Erzählung über zwei durch Missverständnisse und Eifersucht auseinander gerissene und am glücklichen Ende wieder zueinander findende Paare hätte zumindest auch eines optischen Kontrapunkts bedurft, um rund dreieinhalb Stunden lang zu fesseln.


Prosaische Räume

Das verhinderte aber schon Benoît Dugardyns Bühnenbild: ein Gewirr von frei stehenden Mauern auf einer Drehbühne, das nur allzu prosaische Spielräume eröffnete. Vielleicht hätte das Konzept, die ganz vom Ehrenkodex des spanischen Rittertums bestimmte Oper durch Abstraktionen aus dem historischen Kontext zu lösen, aufgehen können, wäre die Regie von dem Kanadier Guillaume Bernardi etwas beweglicher und einfallsreicher gewesen.

Musiziert wurde hingegen auf hohem Niveau. Kreimir picers dunkel gefärbter Tenor macht Don Diego zum idealen Partner der Donna Elvira der Mezzosopranistin Anna Bonitatibus. Mario Zeffiris hell timbrierter Tenor als Don Fernando fügt sich wiederum bestens zu Graciela Oddones leicht geführtem Sopran als Donna Leonora. Dass am Ende auch das Dienerpaar - Riccardo Novaro als Tabacco und Laura Cherici als Marina - zueinander findet, liegt in der Natur einer Buffa.

(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25. 8. 2001)

Reinhard Kager

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