Hongkong lernt Mandarin

24. August 2001, 18:45
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Sieben-Millionen- Metropole zieht verstärkt österreichische Unternehmen an

Hongkong - In Hongkong sind nicht nur die Häuser in den Himmel geschossen, auch die Preise für Grund und Boden haben schwindelerregende Höhen erreicht. Monatsmieten von umgerechnet 80.000 S für eine 70 Quadratmeter Wohnung sind keine Seltenheit in der Sieben-Millionen-Metropole, die sich noch in britischer Zeit als die Nummer Eins Dienstleistungszentrale und wichtiges Finanzzentrum in Asien etabliert hat.

Die Attraktivität Hongkongs als Eintrittstor in das Reich der Mitte hat sich seit der Rückkehr zu China vor vier Jahren kaum verschlechtert. Die maximale Einkommenssteuer beträgt 15 Prozent, die Körperschaftssteuer 16,5 Prozent. Kapitalgewinnsteuer kennt man in Hongkong noch immer keine.

Know-how-Transfer

Auch mehr und mehr österreichische Unternehmen nutzen die strategisch gute Lage und das in der Sonderverwaltungszone vorhandene Know-how, um verstärkt in China Geschäfte zu machen. Rund 60 Unternehmen aus Österreich sind derzeit in Hongkong vertreten - von A wie AUA bis Z wie Zumtobel Licht.

"Als Sprungbrett nach China ist die Stadt nach wie vor ideal", sagte Alfred Tsang, für die Kristallsparte von Swarovski in Asien verantwortlicher Verkaufsdirektor, dem STANDARD. Exzellente Infrastruktur wie der neue Flughafen Chek Lap Kok, aber auch das nach britischem Vorbild geformte Rechtssystem seien wichtige Standortvorteile, die Hongkong gegenüber aufstrebenden Städten in Festland-China ausspielen könne. Auf Geheiß von Peking lernen die Hongkong-Chinesen seit vier Jahren verstärkt Mandarin, was allerdings zu einem Verfall der Englischkenntnisse in der ehemals britischen Kolonie geführt hat. Regierungschef Tung Chee-hwa will nun gegensteuern.

Rasantes Wachstum

Während die Konjunktur in weiten Teilen der Welt lahmt, wird Chinas Wirtschaft jüngsten Prognosen zufolge heuer um gut sieben Prozent wachsen. Das ist mit ein Grund, warum der international tätige Expressdienst DHL sein Engagement in Hongkong verstärkt. Am Flughafen Chek Lap Kok wurde ein neuer Hub in Betrieb genommen, von wo aus Expresssendungen aus Europa und USA bis hinein in die tiefste chinesische Provinz weiterverteilt werden. Während der Logistikanteil in Europa durchschnittlich zehn bis 15 Prozent der Gesamtkosten ausmacht, sind es in Asien 25 bis 30 Prozent. "Da ist noch viel Potential drinnen", sagte Andreas Wagner von DHL Österreich.

Für den Expressdienstleister ist Asien nach Europa der zweitwichtigste Markt: Rund 16 Prozent aller in Österreich aufgegebenen Auslandssendungen gehen an Empfänger in Fernost - Tendenz steigend. (Günther Strobl, DER STANDARD, Printausgabe 25.8.2001)

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