"Das Schlimmste dürfte vorbei sein"

31. August 2001, 13:49
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Vorsichtiger Optimismus für die durch die Tech-Krise stark gebeutelten Wachstumsfonds

Wien - Im Zuge der anhaltenden Talfahrt der Technologieaktien haben auch Investmentfonds mit einem Fokus auf europäischen Wachstumsmärkte deutlich Federn gelassen. So haben im Jahresvergleich sowohl der "Europa-Wachstum" der Raiffeisen Kapitalanlagegesellschaft (Jahresperformance per Ende Juli minus 67 Prozent) als auch der Dynamic Europe Stock der Bank Austria-Fondstochter Capital Invest (minus 68 Prozent) mehr als die Hälfte an Wert eingebüßt.

"Lichtblick"

Erste Zeichen einer Erholung für den kriselnden High Tech-Sektor und damit für die Wachstumsmärkte kamen am Donnerstag nach Börsenschluss in Form eines optimistischeren Geschäftsausblicks des US-Netzwerkausrüsters Cisco. Die Fondsmanagerin des Raiffeisen Europa-Wachstum, Melissa Hofkirchner, rät jedoch trotz der positiven Signale zur Vorsicht. Die Cisco-Meldung sei zwar ein "Lichtblick", für eine langfristige Trendwende sei aber das das makroökonomische Umfeld entscheidend. "Das Schlimmste dürfte vorbei sein", so Hofkirchner, für die nächsten Monate seien aber noch Rückschläge möglich.

Aber auch eine etwaige Erholung sollte nur mäßig ausfallen. Die Erwartung einer sprunghaften Kursrally sei ein psychologisches Überbleibsel der "Bullen-Märkte" der späten 90er Jahre, so die Expertin. Für eine Kurserholung sprechen zwar die derzeit hohe Bargeldbestände der internationalen Investmentfonds, die investiert werden müssen. Allerdings hätten mit diesem Argument schon vor einem Jahr viele Experten auf eine rasche Erholung gesetzt, schränkt die Expertin ein.

Vorsichtiger Optimismus

Die vorsichtig-optimistische Haltung drückt sich auch in der aktuellen Fondsstragie des aktiv gemanagten Raiffeisen Europa-Wachstum aus. Der Fonds sei derzeit auf defensive Titel der Wachstumsmärkte ausgerichtet. Als Beispiel nennt Hofkirchner die am Neuen Markt gelistete Grenkeleasing. Zudem halte der Fonds derzeit eine größere Cash Position. Unter den Einzelbranchen bescheinigt die Expertin vor allem der Halbleiterbranche Erholungspotenzial, für Telekomwerte ist sie allerdings noch skeptisch.

Auch der ebenfalls auf die europäischen Wachstumsmärkte fokusierte Dynamic Europe Stock der Capital Invest weist derzeit mit elf Prozent eine höhere Cash-Position auf. Unter den größten Einzelwerten des Fonds finden sich aktuell Medion mit einem Anteil von 8,6 Prozent, Quiagen (6,7 Prozent) und Thiel Logistik (6,3 Prozent). Auch die Experten der Capital Invest geben sich nur vorsichtig optimistisch: Es seien zwar mittlerweile schon viele negative Nachrichten eingepreist, es bestehe aber Skepsis, dass das dritte Quartal die erhoffte Besserung bringt. (APA)

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