US-Forscher joggen rückwärts

24. August 2001, 17:35
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Läufer: "Blödsinn" - Experten: Stolpergefahr überschattet höhere Fettverbrennung

Wien/Boston - Es war komisch. Peinlich. Eigentlich saublöd. Aber zum Glück habe sie ohnehin niemand gesehen

STANDARD-Mitarbeiterin "kaf" hat den Selbstversuch gewagt. Und ist seither der Meinung, dass für proklamierte Trends das selbe gilt, wie für angekündigte Revolutionen: Sie finden nicht statt. Schließlich, meint die Testerin, habe es einen Grund, dass des Menschen Augen im Gesicht sitzen. Und dass auch die Knie nach vorne zeigen: "Rückwärtsjoggen ist ein Blödsinn."

Rückwärtsjoggen kann die Gesundheit gefährden

Die Journalistin ist zwar keine Expertin, erhält aber prominente - und wissenschaftliche - Unterstützung für ihre These: Birgit Junghans, Ernährungswissenschafterin des "Deutschen Institut für Ernährungsmedizin und Diätetik (D.I.E.T.)" warnte diese Woche ausdrücklich: Rückwärtsjoggen kann die Gesundheit gefährden. Die Stolpergefahr, so Junghans, überschatte die mögliche höhere Fettverbrennung beim Achteraus-Joggen.

Dies - die höhere Fettverbrennung - wollen nämlich die beiden Bostoner Zoologen Seth Wright und Peter Weyand herausgefunden haben: Bei rückwärtslaufenden Probanden wären Muskelaktivität und Stoffwechsel höher gewesen, als bei Vorwärtläufern, schreiben sie im Journal of Experimental Biology (Vol 204, Issue 10 1805-1815).

Der Wissenschaft den Rücken zukehren

Österreichs Laufapostel wollen aber nicht der Strecke, sondern der Wissenschaft den Rücken zukehren: "Interessant aber unerheblich", meint etwa "Gentle Running"-Autor Rudolf Nagiller, "Laufen soll angenehm sein, ich renne doch nicht, um sieben Kalorien mehr zu verbrennen." Wien-Marathon-Veranstalter Wolfgang Konrad ist da direkter. "So ein Blödsinn. Ist das ein Aprilscherz?" Ist es nicht. Ehrlich. (rott, DER STANDARD Print-Ausgabe 25/26.August)

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