Linux feiert den 10. Geburtstag

25. August 2001, 13:12
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Marktanteile des Windows-Konkurrenten wachsen - Feiern auch auf der IFA

Eigentlich können Pinguine ja nicht fliegen. Doch die Zeichentrickfigur Tux scheint die rühmliche Ausnahme zu bilden: Das schwarzweiße Vieh mit dem gelben Schnabel und Watschelfüßen steht für das freie Betriebssystem Linux, das vor zehn Jahren das Licht der Welt erblickte. Seitdem ist Linux längst flügge geworden und macht den Branchenriesen wie Microsoft vor allem auf dem hart umkämpften Markt für Internet-Server immer schwerer zu schaffen.

Wie alles begann

Am 25. August 1991 um 20.57 Uhr fanden die Mitglieder der Usenet-Newsgroup comp.os.minix eine Mitteilung eines gewissen Linus Benedict Torvalds in ihrem Forum. Der damals 21-jährige Student aus Finnland kündigte an, ein freies Betriebssystem zu schreiben. Seit April bastelte er am Konzept, weil ihn kein kommerzielles Server-System zufriedenstellte. Die Entwicklung sei nur ein Hobby, groß und professionell solle die Software nicht werden, versprach er - und bat Programmierer rund um den Globus um Unterstützung.

Große Verbreitung am Servermarkt

Wie alle Unix-Systeme für Netzwerkrechner musste der Name der neuen Software mit einem "X" enden: Linux war geboren. Was als Projekt eines Einzelnen begann, ist heute das Produkt eines weltweiten Netzwerks aus zahllosen Experten. Das kostenlose Stück Software, dessen Programmcode für jedermann offen liegt, ist zum Betriebssystem mit den höchsten Wachstumsraten geworden. 27 Prozent der Netzwerkrechner arbeiten weltweit damit, dagegen 41 Prozent mit Windows. Auch wegen Linux konnte sich Microsoft in diesem Profimarkt bei weitem nicht so durchsetzen wie bei den Desktop-PCs, auf denen zu mehr als 90 Prozent Windows installiert ist.

Gratis-Software

Großen Anteil am Erfolg haben die Anbieter von Online-Diensten und Startup-Firmen, denen ein zuverlässiges Betriebssystem ohne teure Lizenzen entgegenkommt. Mittlerweile sind zahlreiche oft ebenfalls kostenlose Programme für Linux erhältlich, die einen Vergleich mit teurer kommerzieller Software nicht scheuen müssen.

Heute wechseln auch immer mehr Großfirmen zu Linux, darunter auch der Computer-Konzern IBM, der einst mit Microsofts erstem Betriebssystem MS-DOS groß geworden war. Mehr als eine Milliarde Dollar (fast 15 Milliarden Schilling) habe sein Haus in Linux investiert, sagt IBM-Linuxexperte Manfred Fieker. "Der Kunde verlangt danach."

Erfolg macht Feinde

Dieser Erfolg lässt Microsoft nicht ruhig schlafen. "Linux ist ein Krebsgeschwür, das in Bezug auf geistiges Eigentum alles befällt, was es berührt", schimpft Firmenchef Steve Ballmer. Doch auch staatliche Stellen haben mittlerweile die Vorteile von Linux schätzen gelernt. Der Bundestag erwägt eine Umrüstung seiner rund 100 Server und 5.000 Arbeitsplatzrechner. Die SPD-Fraktion arbeitet seit Jahren vollständig unter Linux.

Gefeiert wird ausgiebig

Torvalds, der durch seine Idee zu einer Art Robin Hood der Informationsgesellschaft wurde, arbeitet heute in Kalifornien und koordiniert, welche Entwicklungen in den Linux-Kern einfließen sollen. Die Linux-Gemeinde in den USA begeht das Jubiläum zünftig beim "Linux 10th Anniversary Picnic and Barbecue" - und natürlich kostenlos. Im kalifornischen Sunnyvale und in Philadelphia werden am Samstag in öffentlichen Parks Grillschwaden in den Himmel steigen. Für Würstchen und Salat gilt "bring your own". In Belgien startet eine europäische Linux-Bier-Wanderung, gefeiert wird auch im dänischen Kopenhagen und auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin.

Zukunftsmarkt Embedded Devices?

Wenn die Feiern vorüber sind, wartet neue Arbeit auf die freiwilligen Entwickler. Linux ist gerade dabei, als Betriebssystem Kleingeräte wie Fernseh-Settop-Boxen, PDA-Kleinrechner und Multimedia-Handys zu entern. Nach einer Umfrage des kalifornischen Marktforschungsunternehmens Evans Data Corporation unter 500 Programmierern von Kleingeräte-Betriebssystemen könnte "Embedded Linux" mit 27 Prozent zur beliebtesten Plattform werden und Windows CE mit 14 Prozent auf den zweiten Platz verweisen. Ein neuer Job für Linux-Maskottchen Tux. (Von Johannes Frewel/AFP)

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