Frauen und Kinder als Schwerarbeiter in der Hallstattzeit

24. August 2001, 13:41
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Abnutzungserscheinungen an Halswirbeln eines Frauenskeletts gefunden

Linz - Es waren vor allem die Frauen und Kinder, die in der Salzgewinnung Schwerarbeit leisteten. Ein aktueller Skelettfund am Salzberg in Hallstatt in Oberösterreich liefere ein weiteres Indiz dafür, teilte der Leiter der prähistorischen Abteilung des Naturhistorischen Museums in Wien in einer Presseaussendung am Freitag mit. Auf einer Fläche von rund zehn Quadratmetern konnten am Hallstätter Gräberfeld insgesamt sechs Gräber freigelegt werden. Sie zeichnen ein immer konturenreicheres Bild der Welt vor zweieinhalbtausend Jahren.

Unter anderem wurde eine Körperbestattung freigelegt, die neue Aspekte einer prähistorischen Arbeitswelt am Salzberg Hallstatt enthüllt. Dass es sich um kein Brandgrab handelt, ist bereits Zeichen eines niedrigeren sozialen Ranges, auch fehlen die Grabbeigaben. Anthropologische Untersuchungen eines Frauenskelettes zeigten nun auffallende Abnutzungserscheinungen an den oberen Halswirbeln, hervorgegangen durch eine lange Beanspruchung, wie sie etwa das Tragen schwerer Lasten darstellt. Weitere Erkenntnisse erhoffe man sich von der Detailforschung, die zusammen mit der Restaurierung geborgener Fundgegenstände im Naturhistorischen Museum Wien geleistet werde, teilte Kern mit.

Wertvolle Funde

Das reichste Grab der neuen Fundreihe ist die Brandbestattung einer offenbar wohlhabenden Frau aus dem siebenten vorchristlichen Jahrhundert. Neben der Körperasche befanden sich neun Tongefäße mit Speis und Trank - für die Jenseitsreise. Auch mehrere Bronzefibeln, die als prunkvolle Gewandspangen getragen wurden, sind erhalten. Zudem zahlreiche kleine Nadeln und Spiralröllchen, die wahrscheinlich Bestandteil einer Haartracht waren.

Ein weiterer Gräberfund enthielt die verbrannten Überreste eines Mannes und einer Frau aus dem jüngeren Zeitabschnitt des Hallstätter Gräberfeldes. Die Bestattung dürfte um 500 vor Christus erfolgt sein. Als Zeichen der Macht und eines hohen sozialen Ranges war dem Mann ein prächtiger, sehr selten anzutreffender "Antennendolch" mitgegeben worden. Für Essen und Trinken standen fünf Tongefäße sowie ein halbes Spanferkel zur Verfügung. Gefunden wurden auch die Überreste einer reichen Frau. Ihr Grabschmuck enthielt einen massiven bronzenen Armreif, Gürtelhaken und prächtige Gehänge.

Das Besondere dieser Gräber sei nicht zuletzt die Grabkonstruktion selbst, so Kern. Bereits aus früheren Funden hatte man vermutet, dass die Überreste von Brandasche und Grabbeigaben in niedrigen Holzkisten in den Boden gebettet wurden. Hier seien nun erstmals die Seitenwände vollständig erhalten und liefern einen interessanten archäologischen Befund, berichtete Kern. (APA)

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