Karibische Regierungschefs starten zu umstrittener Libyenreise

24. August 2001, 12:23
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Kleinstaaten hoffen auf Wirtschaftshilfe

Mexiko/Kingstown - Auf der Suche nach Wirtschaftshilfe wollen karibische Regierungschefs an diesem Samstag zu einer umstrittenen Reise nach Libyen aufbrechen. Wie Ralph Gonsalves, Premierminister von San Vincent und den Grenadinen, nach Angaben der karibischen Nachrichtenagentur (CANA) am Donnerstag mitteilte, soll die Tour nach Tripolis der Region mehr Investitionen und Handelskontakte bringen. Außer Gonsalves werden die Regierungschefs von Dominica und Grenada, Pierre Charles und Keith Mitchell, dem libyschen Revolutionsführer Muammar el Gaddafi ihre Aufwartung machen.

Zwei weitere Regierende, Lester Bird von Antigua und Barbuda und Kenny Anthony von Saint Lucia, hatten ihre geplante Teilnahme vor einigen Tagen abgesagt. Der Premierminister von St. Kitts und Nevis, Denzil Douglas, will nur einen Vertreter mitschicken.

Gemeinsame Währung

Alle sechs Kleinstaaten sind frühere britische Kolonien die über die Organisation Ostkaribischer Staaten (OECS) und eine gemeinsame Währung eng miteinander verbunden sind. Während des Kalten Krieges erhielt die Karibik von den USA umfangreiche Wirtschaftshilfe. 1979 war in Grenada ein von Kuba gestütztes marxistisches Regime an die Macht gekommen, das 1983 durch eine US-Intervention gestürzt wurde. Seit dem Untergang der Sowjetunion und dem Ende der Bürgerkriege in Mittelamerika hat die US-Unterstützung der Region stark nachgelassen, wodurch sich die wirtschaftliche Lage vieler Inseln verschlechterte.

"Ich verstehe die Besorgnis einiger Regierungen der Region nicht, wenn Westeuropa diplomatische und wirtschaftliche Beziehungen zu Libyen unterhält", sagte Gonsalves am Donnerstag. Unter anderem hatte der Premierminister von Trinidad und Tobago, Badeo Panday, die Sorge geäußert, dass die Libyen-Reise der Region eher schaden werde. (APA/dpa)

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