Italiens Parlamentspräsident über Thierse-Brief verstimmt

24. August 2001, 17:41
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Casini an deutschen Bundestagspräsidenten: "Justiz in Italien ist unabhängig"

Rom - Der Präsident der italienischen Abgeordnetenkammer, Pierferdinando Casini, hat spürbar verstimmt auf das Schreiben seines deutschen Amtskollegen Wolfgang Thierse (SPD) zur Freilassung der in Italien einsitzenden 15 deutschen Demonstranten reagiert. Vier Wochen nach den blutigen Krawallen beim G-8-Gipfel in Genua hatte Thierse seinen Kollegen brieflich gebeten, sich für die Freilassung der Deutschen einzusetzen. Casini reagierte mit dem Hinweis, die Justiz in Italien sei unabhängig.

Außerdem gebe es starke Hinweise, dass die Inhaftierten zum "Schwarzen Block" unter den Demonstranten gehörten, "der für schwere Gewalttaten verantwortlich ist", heißt dem Schreiben am Freitag. Kommentatoren in Rom bezeichneten den Briefwechsel als Zeichen einer Missstimmung. "Streit mit dem Bundestag" schrieb eine Zeitung. Dies gelte auch für die "diskrete Kritik" Casinis: Dieser äußerte in dem Brief die Hoffnung, dass bei künftigen Gipfeln dieser Art auch die Polizei im Ausland mit ihrer Zusammenarbeit dazu beitrage, "Gewalt und Zerstörung" zu verhindern.

Indirekte Kritik am Brief des deutschen Bundestagspräsidenten ist auch in folgendem Satz aus Casinis Antwortbrief erkennbar, der von der italienischen Agentur ANSA veröffentlicht wurde: "Ich möchte unterstreichen, dass die Beziehungen der engen Freundschaft und vollen Kooperation zwischen unseren Parlamenten ein unverzichtbares Element im Rahmen der (gesamten) Beziehungen zwischen Italien und Deutschland darstellen."

Casini schloss seinen Brief mit dem Hinweis, dass sie - Casini und Thierse - im September in Stockholm Gelegenheit haben würden, sich persönlich zu treffen und weitere Gespräche zu führen. (APA/dpa/ANSA)

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