IBM zieht YLine Daumenschrauben an

26. August 2001, 19:37
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Zessionsschreiben an YLine-Kunden

Wien - Eine Aussendung der IBM an die Kunden von YLine sorgt derzeit für Unruhe: Darin fordert IBM auf, von nun an alle offenen Beträge, die sie YLine schulden, künftig an IBM zu zahlen oder gerichtlich zu hinterlegen. Für YLine-Sprecher Willi Berner kommt damit ein weiterer Punkt des Zessionsvertrages zwischen IBM und YLine ins Spiel. "Darin steht auch, dass sie uns 1,5 Mio. EURO (20,6 Mio. S) monatlich zahlen müssen, sollten sie von einer Zession Gebrauch machen."

Mit der Geltendmachung der Zession sei IBM "schlecht beraten" gewesen, so Berner. YLine habe die IBM-Vorgangsweise auch bereits bei Gericht beeinsprucht und IBM davon in Kenntnis gesetzt. Nun werde YLine, die sich an die österreichische Kartellbehörde, an die EU-Kommission und an die US-Börsenaufsicht gewandt hat, die Gerichtsurteile abwarten. Bei der Aufsichtsratssitzung nächste Woche wolle man beratschlagen, welche Auswirkungen dies auf die geplante Kapitalerhöhung habe.

Ausgetrocknet

Sollten die YLine-Kunden ihre Zahlungen einstellen, "würde YLine binnen kürzester Zeit austrocknen", sagt Alexander Klikovits vom Kreditschutzverband von 1870. Grundsätzlich bemängelt Klikovits, dass die YLine-Geschäftsführung außer dem Geschäftsbericht keine Informationen liefere, sodass sich der KSV kein Bild von der Lage machen könne.

Im dem Rechtsstreit fordert YLine von IBM 42 Mio. EURO (578 Mio. S) an bereits von YLine aufgewendeten Kosten zurück, ihrerseits schuldet YLine IBM jedoch rund 14 Mio. EURO, die bis spätestens Ende Juli bezahlt werden hätten müssen. YLine hat das abgelaufene Geschäftsjahr 2000 mit 37,715 Mio. EURO (519 Mio. S) in der Kreide beendet.

Aufsichtsräte zurückgetreten

Unterdessen wurde bekannt, dass die beiden YLine-Aufsichtsräte und Minderheitsaktionäre der YLine-Tochter i-online, Friedrich Scheck und Georg Plochberger, vergangene Woche zurückgetreten sind. Der bisher sechsköpfige Aufsichtsrat der YLine könnte aber noch ein weiteres Mitglied verlieren. Auch Mathias Pölleritzer hat laut Berner aus privaten Gründen seinen Rückzug angekündigt. Die beiden sitzen auch im Aufsichtsrat des Softwareunternehmens i-online, an der die YLine rund 68 Prozent hält.

Die YLine-Aktie stürzte heute an der Nasdaq Europe bis zu Mittag um 27,27 Prozent auf 1,8 Euro ab. (red, DER STANDARD, Printausgabe 25.8.2001)

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