Krankhafte Angstzustände sind genetisch bedingt

24. August 2001, 10:24
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Wissenschaftler entdecken doppelte Sequenz auf Chromosom 15

Barcelona - Herzrasen, Schweißausbrüche und Atemnot. Krankhafte Angstzustände können den Betroffenen das Leben zur Hölle machen. Diese Panik-Attacken sind genetisch bedingt, wie Wissenschaftler des Centre for Medical and Molecular Biology herausgefunden haben.

Die Forscher untersuchten Familien, deren Mitglieder bereits seit mehreren Generationen unter Panik-Attacken und Phobien litten. Dabei entdeckten sie, dass bei 90 Prozent der betroffenen Familien eine kleine Region auf dem Chromosom 15 doppelt vorhanden war. Zum Vergleich überprüften die Forscher daraufhin das Erbgut von 70 Panik-Kranken, die nicht mit den untersuchten Familien verwandt waren. Das Ergebnis: 97 Prozent dieser Patienten besaßen die DUP25 genannte Abweichung ebenfalls.

"Die verdoppelte Region enthält mehr als 60 Gene", sagt Monica Gratacos von der Universität Barcelona. Nur 23 wurden bislang identifiziert, darunter solche, die für Proteine verantwortlich sind, die den Informationsaustausch zwischen Neuronen steuern. "Durch eine Verdoppelung der Gene könnten zu viele Proteine gebildet werden und das Gehirn hypersensibel gegenüber stressigen Situationen machen", so Gratacos.

Leben in Angst

Doch obwohl DUP25 das Risiko krankhafter Panik-Attacken drastisch erhöht, verdammt es seine Träger nicht zu einem Leben in Angst. "Die Umwelt übt einen ebenso starken Einfluss auf die Entwicklung von Phobien aus. In den von der Anomalie betroffenen Familien waren 20 Prozent der DUP25-Träger frei von jeglichen Angstzuständen."

Das Bizarre an der Anomalie ist, dass sie den Regeln der Vererbung trotzt. Mit jeder Generation kann sie neu auftauchen oder verschwinden und sogar innerhalb eines Individuums variieren - bei manchen Patienten ist die Verdopplung nicht in allen Zellen vorhanden. Die Wissenschaftler versuchen jetzt herauszufinden, welche Gene auf DUP25 speziell die krankhafte Panik auslösen. Gelingt das, ist es vielleicht möglich, spezielle Medikamente zu entwickeln, die entweder die Gene selbst oder die Proteinproduktion unterdrücken. (pte)

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