Kroatien: Regierung verliert immer mehr an Unterstützung

24. August 2001, 06:32
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Große Mehrheit für Beitritt zu EU und NATO - Aber gegen Kooperation mit UNO-Tribunal

Zagreb - Nach eineinhalb Jahren Regierungszeit verliert die kroatische Regierung unter Ministerpräsident Ivica Racan immer mehr an Unterstützung und ihre bisherige Arbeit wird immer negativer eingeschätzt. Nach einer in der jüngsten Ausgabe der kroatischen Wochenzeitschrift "Nacional" veröffentlichten Umfrage betont mehr als die Hälfte der Befragten, dass sie die regierende Koalition unter Führung der Sozialdemokratischen Partei nicht unterstütze. 43 Prozent der Kroaten sprachen sich für vorzeitige Wahlen aus, 45 Prozent waren dagegen.

Vor einigen Monaten waren erst 31 Prozent für vorgezogene Wahlen, 55 Prozent hielt dies damals für nicht notwendig. Auf Grund dieses Verfalls der Zustimmungsraten spekuliert "Nacional" bereits mit Neuwahlen im kommenden Herbst.

Mehrheit will zu NATO

Die negative Haltung zur Regierung kommt der Kroatischen Demokratischen Gemeinschaft (HDZ) von Ex-Präsident Franjo Tudjman zugute. Derzeit würden 15 Prozent der Kroaten für die rechtsgerichtete HDZ stimmen, womit sie zweitstärkste Partei im Land wäre. Weiter an der Spitze wäre derzeit die Sozialdemokratische Partei von Racan, für die derzeit 19 Prozent stimmen würden. Drittstärkste politische Kraft wären demnach die Kroatischen Unabhängigen Demokraten (HND) von Vesna Pusic mit 6,5 Prozent.

Befragt wurden die Bürger in der Untersuchung auch nach ihrer Einstellung zu ausgewählten internationalen Institutionen. Eine überwältigende Mehrheit von 80 Prozent befürwortete den Beitritt ihres Landes zu NATO und EU. Zugleich sprach sich die absolute Mehrheit gegen eine Auslieferung des Generals Ante Gotovina, der vom UNO-Tribunal wegen Kriegsverbrechen angeklagt ist, an Den Haag aus. Damit sei eine Mehrheit der Kroaten nicht bereit, die Forderung der internationalen Gemeinschaft zu erfüllen, unterstrich "Nacional".

Mesic am beliebtestenB

Dieses "Paradoxon" würde sich auch in der Frage bestätigen, ob die Kroaten das Bestehen und die Arbeit der "Vereinigung für die Verteidigung der Würde des Vaterländischen Krieges" unterstützten, die von 63 Prozent der Befragten bejahend beantwortet wurde. Dieses Ergebnis zeige, dass es die kroatische Rechte geschafft habe, die Bürger zu überzeugen, dass das Haager Tribunal ein Feind der kroatischen Unabhängigkeit sei, meinte "Nacional" .

Weiters behaupteten in der Umfrage 41 Prozent der Befragten, dass sie vor zwei Jahren besser gelebt hätten als heute. 48 Prozent der Kroaten sehen keinen Unterschied im Lebensstandard und nur etwa jeder Zehnte meint, dass er heute besser lebe als vor zwei Jahren. Die Beliebtheitsskala der Politiker führt nach der Umfrage von "Nacional" nach wie vor der kroatische Präsident Stjepan Mesic (20 Prozent) an, gefolgt von Racan (16,6 Prozent) und Parlamentspräsident Zlatko Tomcic (10 Prozent). (APA)

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