Museumsquartier wird adaptiert

24. August 2001, 17:41
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Doch Geld vorhanden, wenig Bewusstsein für Behinderte

Wien - Geld ist doch da: "Dreizehn Millionen für nachträglich zu sanierende Baumängel" - und erste Aktivitäten zugunsten Behinderter dürften am Areal des Wiener Museumsquartiers (MQ) schon bald gestartet werden.

Der Standard berichtete über die Kritik von Behindertenlobbyisten, das Areal sei für ihre Bedürfnisse baulich unzureichend realisiert.

Wiens SP-Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny möchte einen Bericht der MQ- Errichtungsgesellschaft über Mängel anfordern, um zu wissen, wie es zu "diesem Unvermögen kommen konnte". Mailath-Pokorny berichtete dem Standard von einem "Restbudget", das zur nachträglichen Behebung von Baumängeln beim MQ reserviert worden sei. Von diesen Mitteln könnte (mit Beteiligung des Bundes, Baukosten gesamt: 2 Milliarden Schilling, 145 Millionen Euro) behindertengerecht nachgerüstet werden.

Es gebe bereits eine "Mängelliste". Auch Vertreter des MQ haben angekündigt, ihnen bekannte Hürden für Behinderte am Gelände - je nach Kosten - ebnen zu wollen.

"Die Errichter haben sich sehr wohl Gedanken gemacht." Ein Sprecher von Ministerin Elisabeth Gehrer (VP) kommt den Bauverantwortlichen zu Hilfe, wenn es um die Behindertentauglichkeit des Museumsquartiers geht. So gebe es kaum Museen, in denen "Induktionsanlagen" installiert seien, damit Hörbehinderte Veranstaltungen mitverfolgen könnten - es ist also "nicht alles schlecht", was dort geplant wurde.

"Nicht nur Gedankenlosigkeit" sei es, dass auf Bedürfnisse Behinderter vergessen werde.

Tabuthema Behinderte

Markus Karner vom "Institut für humanistisches Management" - ein Verein, von namhaften Wirtschaftsorganisationen unterstützt - spricht lieber von "Behinderten als Tabuthema". Es fehle das Bewusstsein in Österreich dafür. In den USA und Deutschland würden positive Beispiele von erfolgreichen behinderten Menschen gezeigt. In Österreich gehe es meist um Mitleid und traurige Bilder, um Spenden sammeln zu können - eine unnötige Stigmatisierung dieser Gesellschaftsgruppe. (DER STANDARD, Print, 25.8.2001)

Von Andrea Waldbrunner
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