ÖH-Politiker zechten mit Studiengeld

28. August 2001, 12:47
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Schwarze und blaue Studentenvertreter zahlen jetzt zurück

Graz - "Gastrokonsulententätigkeiten" für eine Discothek um 26.000 Schilling, Buschenschank-Rechnungen um 40.000 Schilling, feine neue Anzüge, schöne Tage im Thermenhotel: Die ehemalige schwarz-blaue Grazer ÖH-Führung hat es sich im letzten Studienjahr mit Geldern der Hochschülerschaft (ÖH) recht gut gehen lassen. In Summe sollen die Studentenvertreter rund 1,2 Millionen Schilling verjuxt haben.

Diesen Missbrauch von Studentengeldern hat jetzt die neue ÖH-Führung nach internen Revisionen aufgedeckt. ÖH-Vizechefin Vanessa Schreiner zum STANDARD: "Als wir die Unregelmäßigkeiten entdeckt haben, hat es zuerst bei den Betroffenen einen Schock gegeben, weil alles aufgeflogen ist, dann haben sie geleugnet und schließlich alles zugegeben. Sie hatten offenbar ein gewisses Machtgefühl und gesehen, dass die Rechnungen so leicht reingehen. Dann hat es jeder probiert und nicht gedacht, dass es eine Kontrolle gibt. Zuletzt haben sie geglaubt, es kann alles wieder hingebogen werden, zum Beispiel mit Drittmitteln. Da war es schon zu spät."

Die Studentenvertreter hatten so ziemlich alle täglichen Lustbarkeiten verrechnet: von den Zigaretten über Snacks, den Gasthausbesuch, die Parkgebühren bis zur "Wein-und Schnapsverkostung" um 5200 Schilling. Einer der zehn Exfunktionäre brachte im letzten Studienjahr rund 300.000 Schilling durch.

Schreiner: "Da wir nun rund 720.000 Schilling zurückbekommen, haben wir uns auf einen Vergleich geeinigt und auf eine Anzeige verzichtet." Anders stelle sich der Fall der Aktionsgemeinschaft dar. Auch diese habe etwa Party-Rechnungen über die ÖH verrechnet, da werde eine Anzeige überlegt. Mitterweile ist die Causa über eine anonyme Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Graz gelandet.

AG-Obmann Gerhard Müller zeigte sich "total überrascht", RFS-Chef Hannes Bauer schloss "eine Involvierung" aus - Landeshauptmann Haider habe längst Anzeige erstattet. (mue, seve/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.8.2001)

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