Wahnsinn auf Leichtsinn

13. September 2004, 14:46
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Und dieser hat Eleganz wie Methode. Für den Klassenmaßstab, den BMW M3, ist ernsthafte Konkurrenz aufgetaucht: Mercedes-Benz C32 AMG. "Supercharged" nennen Amerikaner diese Geräte.


Vorab etwas, damit der Vernunft Genüge getan wird: Der Mercedes-Benz C32 AMG lässt sich veritabel beladen, im STANDARD-Test mit einem coladosenautomatengroßen Ding (das zur Lärmerzeugung dient, aber das tut hier nichts zur Sache). Das Ladevolumen kann bis 1384 Liter erweitert werden, und das ist guter Klassenschnitt. Die niedrige Ladekante mit fescher wie praktischer Edelstahlkante half, ebenso das benutzerfreundliche Umlegesystem der Rücksitzbanklehne.

Die Besten, die Schnellsten, die Schönsten

Den C32 gibt es als Kombi ("T-Modell") wie auch als Limo. Beide haben sie 354 PS, gewaltiges Drehmomentmaximum in Höhe von 450 Newtonmetern. Damit wird der Kombi von 0 auf 100 in 5,4 Sekunden getrieben. Diese Werte sind es wohl, die Menschen, reiche Menschen, dazu bewegen, sich keinen protzigen Sportwagen zuzulegen, sich, so sie männlich sind, nicht dem Vorwurf der Organverlängerung aussetzen zu müssen, aber trotzdem die Besten, Schönsten und Schnellsten auf der Straße sein zu können.

Der bisherige Maßstab in dieser Klasse ist der BMW M3. Der ist ein drehfreudiges Monster mit scharfem Design und einem sensationellen Fahrwerk. Ein "Fahrerauto". Bei den Leistungsdaten wird er zunächst vom C32 geschlagen: elf PS mehr, 35 Newtonmeter mehr Drehmoment. Auch die Verfügbarkeit dieser Kräfte ist beim C32 direkter, da er seine Macht aus einem Schraubenkompressor zugeblasen bekommt, der schon bei niedrigen Drehzahlen einen derart hohen Ladedruck aufbaut, das 90 Prozent der 400 Nm ab 2300 Touren wirken. Raketenhaft.

Elegant, beschwingt, unverkrampft

Trotz allem bleibt der Kombi elegant im Fahrverhalten, vor allem im Vergleich mit den Vorgängermodellen C55 und C43, die schwere Achtzylinder unter der Haube montiert hatten und daher gegen den M3 nicht wirklich Meter machen konnten. Deutsche Autobahngeschwindigkeiten erledigt man mit dem neuen bei weitem beschwingter, unverkrampft, ein Liedchen summend. Das ist möglich, da es einem nicht - wie im M3 - sportlich in die Ohren brüllt.

Man kann's aber auch extremer haben: Das schaltbare Automatikgetriebe namens "Speedshift" erlaubt punktgenaues Sortieren, was vor allem in ehrgeizig genommenen Kurven hilfreich sein kann, da Lastwechseleffekte individuell getimt werden können. Muss ja auch nicht sein, werden Leser jetzt einwenden. Stimmt, muss nicht, kann aber, mit diesem Auto besser als mit anderen.

Real, ordentlich, handfest

Besonders Mutige fahren den schlanken Kraftmeier ohne elektronische Unterstützung durch ESP. 354 PS an der Hinterachse können ordentlichen, handfesten und realen Horror hervorrufen.

Dass handfester Horror Geld kostet - abgesehen von der knappen Million Kaufpreis -, wird dadurch spürbar, dass der an sich recht moderate, auf dem Prüfstand ermittelte Durchschnittsverbrauch von 11,8 Litern Benzin pro 100 gefahrenen Kilometern sich schon mal in Richtung Zwanzigermarke verschieben könnte. Wenn statt gefahren nur mehr Liedchen summend geglüht wird.


Mercedes-Benz C32 AMG T-Modell

Preis: 970.550 S (70.532,62 EURO)
Antrieb: V-Sechszylinder, 18 Ventile, 3188 cm³, Schraubenkompressor, 354 PS, 400 Nm Drehmomentmaximum bei 4400 U/min
Fahrleistungen: 0-100 km/h in 5,4 s, Spitze 250 km/h
MVEG-Verbrauch: 11,9 l im Durchschnitt (AUTOMOBIL, 24.8.2001)

Von Leo Szemeliker

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