"Gestatten, Dr. Nockerl"

23. August 2001, 20:20
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Seit zehn Jahren "praktizieren" CliniClowns in Wiens Spitälern

Wien - Roland ist neun Jahre alt. Seit vier Wochen liegt er im AKH. Krank sein ist nicht lustig. Für Kinder schon gar nicht. Trotzdem lacht Roland, als "Dr. Nockerl" bei ihm Fieber misst. Er und "Dr. Hänsel" sind "CliniClowns". Ihr Spezialgebiet: Lachforschung.

CliniClowns praktizieren seit zehn Jahren in Österreich. Bei ihrer Therapie sind weder Beipackzettel zu lesen, noch Ärzte oder Apotheker um Rat zu fragen. Denn Diagnose und Therapie sind einfach: "Lachen macht gesund". Bei einem Krankenhausaufenthalt werden Kinder aus der ihnen fremden, oft Angst machenden Krankenhauswelt gerissen. Aus der Angst vor Krankheit, Ärzten und dem Alleinesein. Die Clowns vertreiben sie: In nicht ganz-weißen Mänteln "operieren" sie Stofftiere, geben Spritzen mit Luftballons, oder messen Fieber. Mit einem Maßband.

Begonnen hat alles auf der Kinderdialysestation im neuen AKH. "1991, beim Umzug in das Krankenhaus hörte man jeden Tag von einem anderen Skandal. Wir wollten Patienten wieder zum Lachen bringen. So stießen wir auf die Idee der Clowns", erinnert sich Suzanne Rödler, Kardiologin und Initiatorin. "Zu Beginn gab es viele Kritiker, aber heute gehören die Clowns auch für Schulmediziner zum Krankenhausalltag."

Lob zum Geburtstag kommt deshalb auch von Gesundheitsstadträtin Elisabeth Pittermann (SP): "Einrichtungen wie die CliniClowns sind sehr wichtig, weil das Lachen zur Gesundheit beiträgt, und ein positives Lebensgefühl für kranke Menschen sehr wichtig ist.". Seit 1993 gehen die Clowns auch auf die Geriatrie - hier herrsche noch "riesiger Bedarf": Größtes Problem ist die Finanzierung.

Inzwischen sind Dr. Nockerl und Dr. Hänsel weitergegangen. Denniz' Muttersprache ist nicht Deutsch. Trotzdem lacht er. Die Clowns lenken ihn auch ohne Worte ab. Krank Sein ist nicht schön. Aber die CliniClowns schaffen es wenigsten, das für eine kurze Zeit zu vergessen.(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24. 8. 2001)

Von Standard Mitarbeiterin Katharina Fischer

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