Maria kämpft um Emmanuel

23. August 2001, 19:46
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Affäre Milingo: Moon-Experten drängen Vatikan in die Defensive

Rom/Wien - Die Rückkehr des zur Moon-Sekte übergewechselten Kurienerzbischofs Emmanuel Milingo in den Schoß der römisch-katholischen Kirche wird immer mehr zur peinlichen Affäre. Der sambische Außenminister Keli Walubita zitierte den Apostolischen Nuntius, Erzbischof Orlando Antonini, zu sich, um die Besorgnis seiner Regierung auszudrücken. Die Regierung sei vom Vatikan nicht ausreichend informiert worden. Sambias Vizepräsident Enoch Kavindele macht sich Sorgen um Milingos Ehefrau Maria Sung. Wie jeder andere verheiratete Mann trage auch der Erzbischof Verantwortung ihr gegenüber.

Die Ehe sei doch gar nicht gültig zustande gekommen, konterte der Washingtoner Erzbischof Kardinal Theodore E. McCarrick. Denn die Zeremonie der Moon-Sekte habe mit einer christlichen Eheschließung nichts zu tun. McCarrick rief zum Gebet für Maria Sung auf und bekundete sein "Mitgefühl für den Schmerz, den sie zweifellos in dieser schwierigen Phase empfinde.

Milingos Ehefrau leidet. Seit zehn Tagen ist sie im Hungerstreik, um ein Treffen mit ihrem Angetrauten zu erzwingen. Jeden Morgen begleiten Moon-Anhänger sie auf den Petersplatz, wo sie - gefilmt und fotografiert von vielen Journalisten - für die Rückkehr ihres Mannes betet. Beinahe täglich gibt sie Pressekonferenzen, die gut besucht sind. Und jeden Tag senden die italienischen TV-Stationen Bilder, wie die kleine Dame aus Südkorea mit traurigem Gesicht auf ihrem Hungerbett liegt. Die Marketingexperten der Sekte nutzen die für sie einmalige Möglichkeit, größtmögliches Aufsehen zu erregen.

Der Aufenthaltsort Milingos ist unbekannt. Es wird vermutet, er sei in einem Kloster, wo er in aller Stille seine Rückkehr in die Kirche vorbereite. Maria Sung hingegen befürchtet, die Vatikan-Vertrauten hätten ihren Mann unter Drogen gesetzt und entführt.

Die Hartnäckigkeit, mit der die 43-jährige Asiatin um ihren 71-jährigen Mann kämpft, bringt den Vatikan in eine heikle Lage. Nachdem Sung bereits zweimal die Annahme eines Abschiedsbriefes Milingos verweigert hat, hat der Vatikan nun einem Treffen mit ihr zugestimmt. Doch Moon-Sprecher Philipp Schanker Leute lehnt die sieben Bedingungen, die der Vatikan gestellt haben soll, als unakzeptabel ab. Die päpstlichen Vertreter wiederum argumentieren, die beiden bräuchten einen Dolmetscher, um einander zu verstehen. Denn Sung könne nur Koreanisch, Milingo Englisch. Zudem habe Milingo in dem Übersetzer auch einen Zeugen. Dieser könne verhindern, dass das Treffen des umstrittenen Paares anschließend falsch wiedergegeben und für die Medien ausgeschlachtet werde. Außerdem zweifelt man daran, dass der Mann aus Afrika bereits genügend gefestigt sei, um den emotionalen Turbulenzen eines Rendezvous mit der Ehefrau gewachsen zu sein.

Allzu stürmisch war die Liebe bisher nicht. Ein Test hat ergeben, dass die Frau des Erzbischofs zumindest nicht schwanger ist.
(DER STANDARD, Preintausgabe, 24.8.2001)

von Josef Ertl
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