Neuer Streit in Polen um Entschädigungen

23. August 2001, 19:39
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Wechselkurs benachteiligt Exzwangsarbeiter

"Die Materie ist kompliziert", sagte Michael Jansen von der deutschen Stiftung "Erinnerung, Verantwortung, Zukunft", "und wir wollen nicht noch einen Fehler machen." Sprach's und vertagte am Donnerstag in Warschau die Verhandlungen über die Entschädigungszahlungen an ehemalige polnische Zwangsarbeiter bis zu einem neuen Treffen in Berlin in zwei Wochen.

Zwar wollen die Polen die Deutschen nicht mehr wegen "Betrugs an den Zwangsarbeitern" verklagen, doch Jansen und die deutsche Regierung stehen zumindest in den Augen der polnischen Öffentlichkeit als Wortbrecher da. Seit Juni, als Jansen die erste Rate der Entschädigungszahlungen für Polen (neun Milliarden S/665 Mio. EURO) zu einem für die NS-Opfer ungünstigen Kurs tauschte, reißen die negativen Schlagzeilen nicht ab. Dass der Wechselkurs in Wahrheit nicht anders gewesen wäre, wenn nicht deutsche, sondern polnische Banken die Summe von über einer Milliarde Mark in Zloty getauscht hätten, scheint dabei als Argument nicht zu gelten.
(DER STANDARD, Printausgabe, 24.8.2001)

STANDARD-Korrespondentin Gabriele Lesser aus Warschau
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