Referenzen im Bewerbungsverfahren

22. November 2001, 09:31
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Für viele Personalisten ist die Überprüfung einer Referenzliste genauso wichtig wie das Lesen des Lebenslaufs

Das Einholen von Referenzen wird von vielen Bewerbern als unangenehm empfunden. Heißt es doch, dass der Personalist, auf dessen Tisch die Bewerbungsunterlagen gelandet sind, diesen nicht zu hundert Prozent Vertrauen schenkt und sich lieber noch einmal und vor allem von anderer Stelle eine Versicherung einholt, ob die getätigten Aussagen auch der Wahrheit entsprechen.

Die Referenz als Vorteil

Andererseits aber stellt diese Referenz, wenn sie positiv ausfällt, einen nicht zu unterschätzenden Wert da. Der Fürsprecher, ein ehemaliger Vorgesetzter oder Geschäftspartner, belegt die eigenen Aussagen und macht sie damit zu einem objektiven Faktum. Eventuelle Bedenken des Personalisten werden ausgeräumt und die Chancen, das Bewerbungsverfahren mit Erfolg abzuschließen, steigen.

Aufforderung, Referenzen zu nennen

Wenn im Stelleninserat ausdrücklich dazu aufgefordert wird, Referenzgeber zu benennen, muss man diesem Wunsch nachkommen. Unaufgefordert Referenzen beizulegen, die von Prominenten verfasst sind, kann sich hingegen schädlich auswirken.

Üblich ist es auch die Referenzliste mit präsentablen Namen zum Vorstellungsgespräch mitzubringen und dann dem Gesprächspartnern zu übergeben. Die Liste sollte Namen, Funktion, Anschrift, Telefonnummer sowie Grund und Dauer des Bekanntseins enthalten. Die Inhalte müssen schon allein aus Höflichkeit vorher mit den Referenzpersonen abgesprochen werden. Außerdem schließt der Bewerber damit aus, dass bei der Referenzeinholung Überraschungseffekte die Aussichten auf Erfolg mindern.

Die besten Referenzgeber

Die besten Referenzgeber sind frühere direkte oder nächsthöhere Vorgesetzte. Schon beim Ausscheiden aus einem Unternehmen kann daher für die Zukunft geklärt werden, ob diese bereit sind, künftig als Referenzgeber zu fungieren.

Liegen einige Jahre zwischen der Anstellung und der einzuholenden Referenz, schadet es nicht, dem ehemaligen Vorgesetzten als Gedächtnisstütze den Lebenslauf oder das Arbeitszeugnis zukommen zu lassen.

Einschränkungen

Eine legitime Bitte des Bewerbers ist es, mit dem Gesprächs- und Verhandlungspartnern zu vereinbaren, dass diese nur dann eine Referenz einholen, wenn er in die letzte Runde des Bewerbungsverfahrens gekommen ist. Der Ruf eines Arbeitnehmers bei seinen Referenzgebern kann nämlich leiden, wenn diese durch wiederholte Anrufe für Referenzgespräche die Misserfolge bei Bewerbungen mitbekommen.

Der Inhalt der Referenz

Als Kandidat davon auszugehen, dass der Referenzgeber ausschließlich positive Auskünfte erteilen wird, ist naiv und auch gar nicht von Vorteil. Die Glaubwürdigkeit eines Referenzgebers leidet nämlich darunter, wenn er sich für eine Person "verbürgt" und sich seine Empfehlung dann als schlechter Rat erweist.

Aus diesem Grund und auch weil es meistens objektiver ist, muss man mit differenzierten Referenzen rechnen. Die Glaubwürdigkeit der Referenz leidet im übrigen ebenfalls, wenn zwischen Zeugnis und Referenz auffällige Widersprüche auftreten.

Positionsbezogene Aussagen

Überzeugender als allgemeine Charakterbeschreibungen wirken positionsbezogene Aussagen, vor allem dann wenn der Referenzgeber im gleichen Tätigkeitsfeld wie der Bewerber aktiv ist.

Banken, Rechtsanwälte, Steuerberater,...

Es kommen aber auch ergänzende Referenzen von Banken - zum Beispiel über die geordneten Vermögensverhältnisse -, Steuerberatern und Rechtsanwälten in Frage, wobei zur Vermeidung von Missverständnissen klarzustellen ist, woher die Bekanntschaft rührt. Im Berufsfeld Vertrieb ist auch die Benennung von Kunden als Referenzgeber denkbar.

Ausgeschlossen

Pfarrer, Sporttrainer, Vereinsfreunde oder Verwandte zu nennen, wirkt lächerlich. Auch Imponier- und Renommierreferenzen von titelgeschmückten Personen ohne Bezug zur betrieblichen Arbeitswelt sind nicht von großem Nutzen. Protektionsreferenzen helfen nur im Einzelfall, meistens jedoch wollen Personalisten beweisen, dass sie nicht käuflich sind, und lehnen die Bewerbung ab.

Eingeholte Referenzen sind vertraulich, was jedoch nicht heißt, dass Bewerber den Referenzeinholer nicht nach der erhaltenen Referenz fragen dürfen. So hat der Kandidat die Möglichkeit zu kritischen Aussagen Stellung zu beziehen und außerdem für die Zukunft zu lernen. (red/Quelle:www.jungekarrier.com)

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