Der Kernreaktor für das Wohnhaus

23. August 2001, 15:07
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Ursprünglich hätte er auf den Mond sollen ...

Tokio - Wissenschaftler des japanischen Central Research Institute of Electrical Power Industry (CRIEPI) entwickeln derzeit einen Kernreaktor, der Energie im Keller eines Wohnblocks herstellen soll. Derzeit wird für den so genannten Rapid-L Reaktor ein störsicheres System getestet, das sich bei einer Überhitzung automatisch abschaltet, berichtet NewScientist in seiner aktuellen Ausgabe.

Ursprünglich wurde der Rapid-L Reaktor für den Einsatz auf dem Mond konzipiert. Mit sechs Metern Höhe und zwei Metern Breite würde dieser 200-Kilowatt-Reaktor leicht in den Keller eines Bürogebäudes oder eines Wohnblocks passen. Der leitende Wissenschaftler Mitsuru Kambe erklärte, dass es in Zukunft aufgrund von Standortbeschränkungen immer schwerer werde, weitere große Reaktoren zu bauen. "Ich glaube, dass kleine modulare Reaktoren in städtischen Bereichen wie Tokio Bay eine effektive Lösung dieses Problems sein können." Kambes Forschungen werden vom staatlichen Japan Atomic Energy Research Institute finanziert.

Ersatz für Regelstäbe

Anders als herkömmliche Reaktoren verfügt der Rapid-L Reaktor über keine Regelstäbe zur Regulierung der Kernreaktion. Stattdessen kommen Reservoirs mit geschmolzenem Lithium-6 zum Einsatz, einem Isotop, das ein großes Absorptionsvermögen für Neutronen besitzt. Diese Reservoirs sind mit einer vertikalen Röhre verbunden, die durch den Reaktorkern läuft. Während des normales Betriebs enthält diese Röhre ein inaktives Gas. Steigt die Temperatur des Reaktors, dehnt sich das flüssige Lithium aus, verdichtet das Gas und tritt in den Kern ein, um die Neutronen zu absorbieren und so die Reaktion zu verlangsamen. Das Lithium dient dabei als flüssiger Regelstab, der sich anders als feste Stäbe bei einer Erwärmung des Kerns selbstständig ausdehnt. Der Rapid-L Reaktor nutzt das gleiche Prinzip für Beginn und Ende der Reaktion. Gekühlt wird er durch flüssiges Natrium. Die Betriebstemperatur liegt bei rund 530 Grad Celsius.

John Gittus von der University of Plymouth erklärte, dass derartige Reaktoren vor allem in Entwicklungsländern sinnvoll erschienen, wo entlegene Regionen nur schwer an das Hauptnetz angeschlossen werden können. Kambe selbst gibt zu, dass der Erfolg der Rapid-L Reaktoren von der Akzeptanz seitens der Bevölkerung, der Energieunternehmen und der Regierung abhängt. Der Nuklearexperte Malcolm Grimston vom Royal Institute of International Affairs findet die Idee an interessant. Schwierigkeiten könnte es seiner Ansicht nach allerdings mit der japanischen Bevölkerung geben, die bereits normalen Kernkraftwerken ausgesprochen kritisch gegenüberstehe.(pte)

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