US-Verbraucherschützer nehmen verschiedene Cholesterin-Senker ins Visier

23. August 2001, 14:47
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Weitere Sammelklagen gegen Bayer

Berlin/San Francisco/New York - Nach dem Rückzug des Medikaments Lipobay durch den Bayer Konzern nehmen US-Verbraucherschützer auch andere Cholesterin-Senker ins Visier. Die Organisation "Public Citizen" in San Francisco warne vor den Nebenwirkungen verschiedener Konkurrenzprodukte, berichtete die "Welt" am Donnerstag. Unterdessen entschied Bayer, Lipobay auch in Japan vom Markt zu nehmen, wo es bisher noch vertrieben wurde.

Statine

Seit langem ist bekannt, dass Cholesterin-Senker aus der Gruppe der so genannten Statine bei erheblicher Überdosierung zu einer unter Umständen lebensgefährlichen Muskelzersetzung führen können, der so genannten Rhabdomyolyse. Schwere Nebenwirkungen werden vor allem von der Kombination des Lipobay-Wirkstoffs Cerivastatin und einem anderen Blutfett senkenden Stoff, Gemfibrozil, befürchtet.

Gemfibrozil soll in Japan erst in Kürze zugelassen werden. Dem japanischen Gesundheitsministerium sind nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Jiji Press aber 84 Fälle von Nebenwirkungen in Zusammenhang mit Lipobay bekannt, obwohl Gemfibrozil nicht eingenommen wurde. Das Ministerium hatte daher den Angaben zufolge auch ein Verbot erwogen.

Lipobay-Konkurrenzprodukte

"Public Citizen" zufolge soll es durch Lipobay-Konkurrenzprodukte in den USA 52 Todesfälle gegeben haben. Die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA (Food and Drug Administration) habe diese Zahl allerdings nicht bestätigen wollen, berichtete die "Welt". Es gebe Hinweise auf 18 Todesfälle im Zusammenhang mit fünf Lipobay- Konkurrenten, hieß es demnach bei der Behörde. Die Verbraucherschützer verlangten von der FDA, dass diese Arzneimittel nur mit einem gesonderten Warnschreiben ausgegeben werden dürfen.

Risiko einer Muskelzersetzung

Das Risiko einer Muskelzersetzung war nach Angaben von Bayer in einer bisher nicht weit verbreiteten US-Studie in Kombination mit dem ebenfalls Blutfett senkenden Wirkstoff Gemfibrozil "deutlich höher" gewesen als in Kombinationen anderer Statine mit Gemfibrozil. In Zusammenhang mit Lipobay werden weltweit mehr als 50 Todesfälle untersucht.

1.114 Verdachtsfälle

Insgesamt lägen Bayer weltweit 1.114 Berichte über Verdachtsfälle auf Muskelzersetzung in Verbindung mit dem Lipobay-Wirkstoff Cerivastatin vor, hatte das Bonner Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte in der vergangenen Woche mitgeteilt. Bayer zog das Medikament vor zwei Wochen fast überall zurück.

Sammelklagen

In den USA sind unterdessen weitere Sammelklagen gegen Bayer eingereicht worden. Die US-Anwaltsfirmen verweisen darauf, dass das Medikament teilweise zu gefährlichen Muskelerkrankungen und zu vielen Todesfällen geführt habe.

Die New Yorker Anwaltskanzlei Slotnick, Shapiro & Crocker LLP hat eine Sammelklage eingereicht, mit der Schadenersatz und Mittel für die Behandlung der durch das Medikament entstanden Krankheiten verlangt wird. Dies hat die Anwaltsfirma am Mittwoch (Ortszeit) bekannt gegeben. Ein Fonds solle zudem die Auswirkungen des Präparats überprüfen.

Die Anwaltskanzlei James, Hoyer, Newcomer & Smiljanich PA in Tampa (Florida) verlangte am Mittwoch in einer Klage für die 67-jährige Baycol-Benutzerin Dolores Canter ein Überwachungsprogramm für die 700.000 amerikanischen Patienten, die Baycol verwendet haben. Nach der Klage soll Bayer die Patienten nicht richtig über die möglichen Baycol-Gefahren aufgeklärt haben. (APA/dpa)

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