Antibiotika in Shrimps - Gesundheitsgefährdung durch Chloramphenicol

23. August 2001, 15:50
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Greenpeace fordert erneut Importverbot von Haupt

Wien - Nachdem laut Greenpeace in Deutschland zwei Mal hintereinander in Shrimp-Produkten hohe Mengen des verbotenen Antibiotikums Chloramphenicol nachgewiesen wurden, hat die Umweltschutzorganisation ein medizinisches Gutachten in Auftrag gegeben. Dieses weise darauf hin, dass durch Chloramphenicol eine Dosis-unabhängige Gefahr für die Gesundheit bestehe, hieß es am Donnerstag in einer Aussendung. Die Organisation bekräftigte daher die Forderung an Gesundheitsminister Herbert Haupt (F), ein Importverbot für tropische Zuchtgarnelen nach Österreich zu verhängen.

Expertise

In der Expertise von Univ.-Prof. Dr. Franz Daschner, Leiter des Instituts für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Freiburg, heißt es, dass ein Verkaufsverbot von mit Chloramphenicol belasteten Nahrungsmitteln aus medizinischer Sicht dringend angeraten sei. "Zusätzlich ist aus ethischen Gründen auf Grund dem durch die Garnelenzucht ausgelösten Schaden an Umwelt, Gesellschaft und soziale Strukturen ein Importverbot notwendig", so das Gutachten.

Shrimps aus China

Nachdem in Deutschland im August bei Routine-Kontrollen durch das Gesundheitsministerium in Nordrhein-Westfalen das Antibiotikum Chloramphenicol in Shrimps aus China nachgewiesen worden seien, seien die Kontrollen verschärft worden. "Auch wir haben in Österreich im März Rückstände dieses Antibiotikums in Shrimp-Produkten in einem Wiener Supermarkt gefunden. Gesundheitsminister Haupt weigert sich aber bis heute, ein bereits zugesagtes Importverbot tropischer Zuchtshrimps zu verhängen", erklärte Greenpeace.

vorbeugendes Importverbot

"Stichprobenartigen Kontrollen können nicht verhindern, dass antibiotikaverseuchte Shrimps auf unseren Tellern landen. Es wird maximal eine Probe auf 100 Tonnen untersucht. Nur ein vorbeugendes Importverbot für Shrimps aus Zuchtbetrieben kann gewährleisten, dass eine Gesundheitsgefährdung der österreichischen Bevölkerung ausgeschlossen wird", sagte Antje Helms, Meeresbiologin bei Greenpeace Österreich.

Gesundheitsministerium weist Vorwürfe zurück

Die im Zusammenhang mit Shrimps-Produkten von Greenpeace geäußerten Vorwürfe wurden am Donnerstag vom Sprecher des Gesundheitsministers Herbert Haupt (F), Gerald Grosz, zurückgewiesen. "Die Anschuldigungen von Greenpeace dienen lediglich einer unzumutbaren Verunsicherung der österreichischen Konsumenten", sagte Grosz.

"Noch nie zuvor ist in Österreich so viel in Sachen Lebensmittelsicherheit und Konsumentenschutz investiert worden, wie derzeit unter dem Gesundheitsminister", erklärte der Sprecher. Bereits im Februar 2001 habe er - die Shrimps-Produkte betreffend - eine Weisung an die Landeshauptleute erteilt, die Kontrollen und Proben massiv zu verstärken. In einigen wenigen Produkten sei der verbotene Wirkstoff Chloramphenicol gefunden worden. Daraufhin habe Haupt diese kontaminierten Produkte aus dem Verkehr ziehen und beschlagnahmen lassen, so Grosz.

An diesen strengen Kontrollen habe das Gesundheitsministerium bis zum heutigen Tag festgehalten. Seit damals gebe es nach wie vor rigorose Überprüfungen, um die Konsumentensicherheit auf höchstem Niveau zu halten, so Grosz. "Das Gesundheitsministerium erwartet sich von Greenpeace nicht nur in dieser Frage eine Zusammenarbeit im Sinne der Konsumenten. Dies bedeutet aber auch ein Abschwören der Politik der Verunsicherung und Panikmache, wie dies Greenpeace in der letzten Zeit immer wieder praktiziert hat", sagte der Sprecher. (APA)

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