Die braunen Flecken sehen

23. August 2001, 19:00
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Salzburg eröffnet "Rückgabestelle" für von Nazis geraubtes Eigentum

Salzburg - Salzburg hat seit Donnerstag Mittag eine so genannte "Rückgabestelle" für von den Nationalsozialisten geraubtes Eigentum, wobei es vor allem um Immobilien geht. Obwohl von offiziöser äußerer Erscheinung, handelt es sich dabei keineswegs um eine Einrichtung von Stadt oder Land Salzburg, sondern eine "Intervention" des Münchner Künstlers Wolfram P. Kastner gemeinsam mit der Galerie 5020, in deren Räumlichkeiten die Stelle eingerichtet wurde. Das erste "Rückgabe-Objekt" - ein Haus am Alten Markt - wurde heute symbolisch mit Hilfe einer Hinweistafel "sichergestellt".

Verschleierung

"Vor lauter Mozartkugeln und Schokolade sind in Salzburg die braunen Flecken nicht zu sehen", meinte Kastner, der in der Vergangenheit unter anderem auf Grund seiner Aktionen gegen die Gedenkveranstaltungen von Waffen-SS-Mitgliedern am Salzburger Kommunalfriedhof aufgefallen ist. Ansprechen will er mit dem Projekt, das im Rahmen der Internationalen Sommerakademie für bildende Kunst gemeinsam mit dem Künstler Martin Krenn und Studierenden erarbeitet wurde, "Stadt und Land Salzburg sowie private und juristische Personen". Nach dem Anschluss 1938 seien zahlreiche "arische" Reichsbürger "unverschämt" günstig zu enteigneten Mobilien und Immobilien von jüdischen Mitbürgern gekommen. Nach 1945 hätten "Politik, Justiz, Verwaltung und private Nutznießer alles daran gesetzt, den Tatbestand zu verschleiern und die Rückgabe zu verweigern, statt sie zu veranlassen."

Die Ausstellung in der Galerie 5020 zu dem Projekt umfasst Briefdokumente und Fotografien der arisierten Gebäude. Eigentlich dürfte man die historischen Dokumente gar nicht zeigen, so Kastner. Nur unter "widrigsten Umständen" sei Einsicht in diese "Verschlussakten" im Salzburger Landesarchiv gewährt worden, wie Projektmitarbeiterin Tanja Boukal erklärte. Vorwiegend handelt es sich dabei um Briefe von - sich stolz als solche deklarierenden - Langzeit-NSDAP-Mitgliedern, die sich um den Erwerb ehemals jüdischer Geschäfte und Häuser bewerben.

Geschichte sichtbar machen

Als erstes Gebäude, dessen jüdische Eigentümer die Nazis umgebracht bzw. vertrieben hatten, wurde das Objekt Alter Markt 12 "sichergestellt". Eine an einem Laternenmast vor dem Haus angebrachte Hinweistafel sowie ein Aufkleber an der Eingangstür weisen auf die Geschichte des Objekts hin: "Am Alten Markt 12 war bis 1938 das Kaufhaus Schwarz, dessen jüdische Eigentümer Walter (1938 in Gestapohaft getötet), Max und Paul Schwarz von den Nazis und ihren willigen Helfern beraubt und außer Landes getrieben wurden ... Nach 1945 wurde ihr persönliches Eigentum gar nicht und ihr wirtschaftliches Eigentum nur teilweise zurückgegeben. Es wird hiermit sichergestellt!" - Heute steht das ehemalige Kaufhaus Schwarz im Eigentum einer Bank und beherbergt ein Modegeschäft sowie Wohnungen.

Die Rückgabe-Möglichkeit bietet Kastner eine Woche lang, bis inklusive 1. September, in der Galerie 5020 (Sigmund-Haffner-Gasse 12/I) an. Weitere "Sicherstellungen" von Immobilien sollen folgen, wie Kastner erklärte. (APA)

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