Tirol geht "bis zur Einstweiligen Verfügung"

23. August 2001, 17:29
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Spieler geben sich nach dem Karten-Irrtum des Schiedsrichters sportlich fair

Innsbruck - Der FC Tirol wird um eine zweite Chance in der Champions League-Qualifikation kämpfen, die Hoffnung auf eine Wiederholung des Rückspiels gegen Lok Moskau hob die Stimmung bei den Spielern aber keineswegs. Nach der 0:1-Heimniederlage und dem Gesamtscore von 1:4 versucht Trainer Kurt Jara seine Mannschaft für die nächsten Aufgaben in der Meisterschaft aufzurichten. Präsident Martin Kerscher wird währenddessen den Protest nach dem Fehler von Schiedsrichter Mario van der Ende vorantreiben. "Wir werden alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, bis hin zur Einstweiligen Verfügung", erklärte Kerscher.

Kerscher: "Es geht nicht um Geld"

Der Fauxpas von van der Ende, der Pimenow zwei Mal die Gelbe Karte, aber nicht Rot gezeigt hatte, wird die UEFA und Tirol in den nächsten vollauf beschäftigen. Rechtsanwalt Hans-Jörg Mader verfasste den Protest des FC Tirol, der noch am Donnerstag bis 15:00 Uhr bei der UEFA offiziell eingereicht werden sollte. "Gestern war ich noch sehr skeptisch, heute schaut alles anders aus. Der Sachverhalt hat sich grundlegend geändert", sagt Kerscher. Es gehe "nicht um Geld, sondern um den Sport. Aber möglicherweise gibt es einen großen Wirbel, aber es ändert sich nichts."

Manager Robert Hochstaffl, der wie geplant zur Champions League-Auslosung am Donnerstag nach Monaco geflogen ist, ist da schon optimistischer. "Es schaut sehr gut aus, es gibt sehr viele positive Signale", so der Manager, der noch am Mittwoch am späten Abend den Protest angekündigt hatte. Nachdem Hochstaffl die TV-Bilder des ORF analysiert hatte, stand für ihn sofort der Fehler von van der Ende fest. So hatte es auch der slowenische UEFA-Delegierte Zavrl gesehen. Van der Ende hatte in der 73. Minute nach der Attacke des russischen Stürmers an Robert Ibertsberger aber nicht Pimenow (Rückennummer 25) notiert, sondern Maminow mit der Nummer 8.

Jara hält sich aus Diskussionen raus

Trainer Kurt Jara wollte sich in die Diskussionen nicht einschalten. "Es ist Sache des Vorstands, nicht der Mannschaft. In 48 Stunden geht es gegen Kärnten, nur darauf müssen wir uns konzentrieren. Wir wollen drei Punkte, dann hätten wir aus der Hinrunde 20 Zähler und wenn das so weiter geht, sind wir im nächsten Jahr in der Qualifikation wieder dabei", so der Tirol-Coach, der auch zehn Stunden nach dem Spiel überzeugt war: "Lok war nicht besser, vielleicht kompromissloser in den Zweikämpfen. Und sie haben in den beiden Spielen aus sechs Chancen vier Tore gemacht, wir aus zehn Chancen nur eines."

Den Fehler des Schiedsrichters hat er nicht mitbekommen. "Gleich nach der Gelben ist auf der Lok-Trainerbank aber richtiggehend gestritten worden", erzählt Jara. Auch Walter Kogler wusste nicht wirklich, was vorging, "aber mir ist schon etwas komisch vorgekommen."

Baur: "Faktum ist ein 4:1"

Kapitän Michael Baur dachte bei all dem Wirbel auch an die Spieler von Lok Moskau. "Was können die dafür, sie haben es aus sportlicher Sicht geschafft. Faktum ist ein 4:1, daher haben wir verloren. Wir haben aber alles versucht." Auch der russische Tirol-Torhüter Stanislaw Tschertschessow sah die Situation aus sportlicher Sicht. "Wenn es auf dem grünen Rasen nicht geht, geht es auch auf dem grünen Tisch nicht."

Nichts gegangen ist auch, weil sich Torjäger Radoslav Gilewicz gegen seinen Schatten Sennikow nicht durchsetzen konnte. "Der wird nicht mehr lange in Russland spielen. Er hat mich perfekt gedeckt. Im Vorjahr habe ich gegen Spanier, Italiener und Deutsche gespielt, aber so etwas habe ich noch nie erlebt. Die Niederlage tut sehr weh", erklärte der Pole.(APA)

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