Die heimische Kirche wittert Morgenluft

23. August 2001, 15:58
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Zahl der Austritte verringert - Diözese Wien hat die meisten Schäfchen verloren

Wien - Die Zahl der Kirchenaustritte war im Vorjahr erstmals seit 1997 wieder rückläufig. 35.711 Menschen haben nach der am Donnerstag veröffentlichten Kirchlichen Statistik 2000 der römisch-katholischen Kirche den Rücken gekehrt, 1999 waren es 43.629. Die Zahl der Katholiken wird damit für das Vorjahr mit 5,875.763 angegeben. Im Jahr zuvor waren es 5,876.226. "Die Situation der katholische Kirche in Österreich hat sich stabilisiert", resümierte Kathpress diese Daten.

Am höchsten war die Zahl der Austritte in der Diözese Wien. Dies gilt sowohl in absoluten Zahlen - mehr als 14.000 Menschen haben die Kirche verlassen - als auch im Verhältnis zur Zahl der Katholiken. Während in Wien rund ein Prozent der Gläubigen den Austritt vollzogen hat, waren es in den Diözesen Graz, Feldkirch, Innsbruck, Salzburg in Linz etwa 0,5 Prozent. In St. Pölten und Klagenfurt lagen diese Werte bei knapp 0,4 Prozent. Am treuesten sind die Katholiken in der Diözese Eisenstadt, wo nicht einmal 0,2 Prozent ausgetreten sind.

Rückläufiger Trend

Der rückläufige Trend bei den Austritten hat sich laut Kathpress in den ersten Monaten dieses Jahres fortgesetzt. Dazu kommt ein leichter Anstieg der Wiederaufnahmen in die katholische Kirche, und zwar von 2.954 im Jahr 1999 auf 3.258 im Jahr 2000.

Diesen Daten steht freilich ein deutliches Minus bei der Zahl der Kirchenbesucher gegenüber. Diese wird österreichweit mit 937.914 (Fastenzeit) bzw. 921.240 (September) angegeben. Im Jahr 1999 lagen die Werte noch um je 50.000 höher.

Getauft wurden im Vorjahr 57.409 Kinder und Jugendliche (gegenüber 59.413 im Jahr 1999). Die Zahl der kirchlichen Trauungen blieb praktisch gleich (16.185 im Jahr 2000, 16.442 im Jahr 1999).

Konstante Priester

Die Priesterzahl ist im Jahr 2000 konstant geblieben: Insgesamt gab es in Österreich 2.522 Diözesanpriester (1999: 2.592). Bei den Ordenspriestern, den ständigen Diakonen und den Ordensbrüdern waren Zuwächse zu verzeichnen: Im Jahr 2000 wurden 1.722 Ordenspriester gezählt (1999 waren es 1.677), 422 ständige Diakone (1999: 403) und 415 Ordensbrüder (1999: 398). Die Zahl der Ordensfrauen ging auch im Vorjahr leicht zurück (von 5.969 im Jahr 1999 auf 5.874 im Jahr 2000).

Im Langzeitvergleich werde deutlich, dass die Kirche zwar auch in Österreich seit 1960 zahlenmäßig geschrumpft ist, doch sei es zugleich zu einer "Verlebendigung des kirchlichen Lebens" gekommen, die sich "schwerer in Zahlen fassen" lasse, stellte die Pressestelle der Österreichischen Bischofskonferenz am Donnerstag fest: "Die Kirche ist aus der Breite in die Tiefe gewachsen." 1960 hatte es 6,364.922 Katholiken in Österreich gegeben, die Zahl der Sonntagsmessbesucher wurde mit rund zwei Millionen angegeben, es wurden 119.283 Taufen und 45.051 Trauungen registriert, die Zahl der Diözesanpriester betrug 3.174. (APA)

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