Bures kritisiert Forcierung von Saisonniers

23. August 2001, 12:54
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"Jene schlecht abgesicherten Billigsdorfer-Arbeitskräfte, vor deren Zuzug die Freiheitlichen warnen"

Wien - Billigarbeitskräfte statt der versprochenen Schlüsselarbeitskräfte, weitere Hürden statt forcierter Integration: SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Doris Bures warf der Regierung am Donnerstag vor, nun beim Thema Zuwanderung genau das Gegenteil dessen umzusetzen, was sie ursprünglich angekündigt hatte. Wie bereits gestern die Grüne Terezija Stoisits nahm auch Bures heute die von der Regierung beschlossene stärkere Beschäftigung von Saisonniers ins Visier. Das seien gerade jene schlecht abgesicherten "Billigsdorfer-Arbeitskräfte", vor deren Zuzug vor allem die Freiheitlichen warnen würden. Mit Integration habe dies jedenfalls gar nichts zu tun.

Bures forderte daher erneut in Anlehnung an das deutsche Modell die Einsetzung einer Kommission, die jährlich nach dem entsprechenden Bedarf eine Zuwandererquote festsetzen sollte. Das Gremium sollte sich aus Politikern, Vertretern von Integrationseinrichtungen, Vertretern der Wirtschaft sowie Arbeitnehmervertretern zusammen setzen. Vorgegangen werden sollte nach festen Kriterien. Zu berücksichtigen sei dabei auch die Familienzusammenführung. Wartezeiten von drei bis sechs Jahren, wie es sie derzeit gebe, sei vor allem für Kinder unzumutbar. Das Leben mit der eigenen Familie sei "ein Menschenrecht".

Bures verwies zudem auf den "Wiener Weg". Dort würde kein Druck ausgeübt, sondern es würden Angebote gemacht. Die Wiener Integrationsstadträtin Renate Brauner (S) berichtete, "sie rennen uns die Türen ein". An einer entsprechenden Sprachoffensive, die in Wien angeboten worden sei, hätten 22.000 Menschen teil genommen, davon 60 Prozent Frauen.

Kritik übte Brauner daran, dass genau jene Einrichtungen, die nach Ansicht der Regierungsparteien künftig die geplanten Sprachkurse anbieten sollten, nämlich die Volkshochschulen, von Streichungen im Bildungsbereich betroffen seien. Sie beklagte auch, dass Wien von der Sonderregelung für Schlüsselarbeitskräfte ausgenommen werde. Das sei eine "Benachteiligung", dagegen werde man sich auch im Interesse der Wirtschaft wehren müssen. (APA)

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