"Wenn ich 50 bin, will ich Schmetterlinge sammeln"

23. August 2001, 14:10
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Vor Erscheinen ihres neuen Albums erzählt Björk über ihr Leben, Lars von Trier und die Sterne über Island

Björk gilt als exzentrisch, perfektionistisch und als begnadete Sängerin. Ihr neues Album "Vespertine" (Polydor/Universal) erscheint am 27. August 2001.

Im Spiegel Online Interview gab Björk Auskunft über....

... aufdringliche Fans

Das ist alles so fürchterlich kompliziert, und ich kann es mir beim besten Willen nicht erklären. Gottseidank bin ich emotional so gefestigt, dass ich solche Erlebnisse nicht nah genug an mich heranlasse. Ich denke dann darüber nach, welches Bild sich die Leute von mir machen. Ich weiß, dass ich mich dafür entschieden habe, eine öffentliche Person zu sein, aber ich glaube nicht, dass die Menschen tatsächlich wissen wollen, welche Farbe mein Slip hat. Viele Personen sind dafür geboren, eine Celebrity zu sein. Ich nicht. Ich bin Musikerin.

... Lars von Trier

Meiner Meinung nach ist er überbewertet. Er ist ein schlechter Regisseur, der noch schlechter verständlich machen kann, was er eigentlich will.

... darüber was passieren muss, damit sie ein Kompliment akzeptiert

In Island geht das so: Man trifft sich wie immer, und trinkt erst einmal zwei Flaschen Whisky. Und morgens um sieben, kurz vor dem Nachhausegehen, sagt man dann: 'Weißt du, du bist gar nicht so übel'. Das ist so ziemlich das gängigste Kompliment, was man so hört in Island. Gleichzeitig ist es auch eine Liebeserklärung.

... Trinkfestigkeit

Ein paar Whisky bringen mich nicht um. Das erinnert mich an die Zeit, als wir damals viel gecampt haben. Einer hatte einen Ghettoblaster dabei, der andere eine Flasche Cognac. Es hat immer einen riesigen Spaß gemacht, denn nirgends leuchten die Sterne so schön wie über Island.

... den Unterschied zwischen London und Reykjavik

In Reykjavik wird man in Ruhe gelassen. In London kann man nicht leben, ohne sich zu verändern. Das musste ich auch, ich musste irgendwann von einem introvertierten Menschen zu einem extrovertierten werden. Sonst wird man in Island entweder Alkoholiker oder zum Selbstmörder. Also habe ich jeden Menschen, den ich traf, in ein Gespräch verwickelt. Das hilft am besten, um die Scheu vor Menschen abzulegen. Und ich habe sehr viel Kaffee getrunken.

... Wünsche für die Zukunft

Wenn ich fünfzig bin, will ich mich durch alle Cognacsorten der Welt testen und dabei meine Schmetterlinge ordnen, die ich dann sammeln werde. Das ist doch eine schöne Lebensaufgabe, oder? Hoffentlich gibt es dann noch Schmetterlinge. (red)

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