Bürowarenhändler Stahrlinger: "Libro bleibt ein Thema"

24. August 2001, 13:05
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Papierwaren-Marktführer auch an Lion interessiert

Wien - Der Chef des Welser Papier- und Bürowaren-Großhändlers PBS Austria, Anton Stahrlinger, brachte sich am Donnerstag bei einer Pressekonferenz wieder öffentlich in den Übernahmepoker um die insolvente Handelskette Libro - indirekt auch in jenen um ihre Internettochter Lion.cc - ins Spiel: "Das Thema Libro ist für mich nicht tot, und das wissen die maßgeblichen Leute."

Stahrlinger hatte Ende Mai bereits ein Angebot für Libro gelegt, konnte sich damals aber nicht mit den Gläubigerbanken einigen. Er zog Anfang Juni verärgert sein Offert zurück, da er sich als "Schneepflug für andere Bieter" missbraucht sah.

In Sachen Lion.cc war Stahrlinger - "Ich bin auch seit 1990 E-Commerce-Unternehmer" - voll des Lobes für die Geschäftsidee des Internetshops Lion.cc, der Bücher, CDs und Spiele vertreibt. "Eine gescheite Idee, was gefehlt hat, war die Logistik und das Augenmaß."

Interessent

Insider deuteten am Donnertag im STANDARD-Gespräch an, dass Stahrlinger zu den drei Interessenten gehöre, die zuletzt um den Kauf der liquditätsschwachen Lion.cc verhandelten - neben Primus Online und einem internationalen Bieter. Lion-Vorstand Heinz Lederer will die Verhandlungen um das Monatsende abgeschlossen sehen.

Stahrlingers PBS-Gruppe werde heuer voraussichtlich einen Umsatz in der Höhe von 2,3 Mrd. S (167,2 Mio. EURO) machen. PBS beliefert über diverse Firmen sowohl Großabnehmer wie die Voest oder die ÖBB mit Büroartikel wie auch den Papierwarenfachhandel. Man ist weiters Inhaber der Marketing- und Einkaufsorganisationen Skribo und Büro-Profi. PBS ist laut eigenen Angaben als Dienstleister für den Fachhandel Marktführer in Österreich und Ungarn.

Börsengang

Für weitere Akquisitionen will sich Stahrlinger Kapital eventuell über einen Börsegang holen ("Das Thema wäre bei einem Libro-Kauf ja erledigt gewesen") oder sein Unternehmen in eine anderes hinein fusionieren. Ein reiner Verkauf komme nicht infrage.

Indessen rüstet die Papierwarenbranche für den Schulanfang. Laut Stahrlingers Beobachtungen erwarte der Fachhandel nach den Troubles bei Libro Chancen auf Rückgewinne von Marktanteilen, die Bestellungen bei PBS seien stark gestiegen.

Der Papier- und Bürowarenmarkt sei in Österreich zehn Mrd. S groß, knapp die Hälfte davon entfalle auf das Privatgeschäft, davon wiederum 1,5 Mrd. S auf den Schulbeginn, schätzt Stahrlinger, in der Wirtschaftskammer auch Gremialvorsteher der Papierwarenhändler. (szem, DER STANDARD, Printausgabe 24.8.2001)

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