Korsika: Nationalistenführer für Fortsetzung des Friedensprozesses

23. August 2001, 13:48
posten

Talamoni: Keine Alternative zu Dialog auf institutioneller Ebene - Frankreich hält an Reformpolitik fest

Bern - Trotz der Ermordung des Nationalistenführers Francois Santoni müsse der Friedensprozess auf Korsika weitergehen. Dazu gebe es keine Alternative, erklärte Jean-Guy Talamoni, selber ein prominenter Nationalistenchef.

Der Dialog auf institutioneller Ebene dürfe trotz Eskalation nicht abgebrochen werden. Dies wäre ja gerade eine Belohnung für die Kräfte, welche den politischen Prozess torpedieren möchten, erklärte der Chef der Fraktion Corsica Nazione in der korsischen Versammlung in der Westschweizer Tageszeitung "Le Temps".

Diejenigen welche den Friedensprozess kritisierten, würden keine bessere Alternative vorlegen. Für ihn und seine Bewegung sei es aber klar, dass am eingeschlagenen Weg festgehalten werde. Zur Frage einer Amnestie für inhaftierte Nationalisten wollte sich Talamoni nicht eindeutig äußern. Es gehe im Moment nicht darum über ein solches Gesetz abzustimmen. Man müsse sich aber Gedanken über deren Befreiung machen. Frankreich hält an Reformpolitik für Korsika fest

Die französische Regierung hält auch nach Ermordung des korsischen Nationalisten Francois Santoni an ihrer Reformpolitik für Korsika fest. "Der von der Regierung eingeleitete Prozess muss fortgesetzt werden", sagte der sozialistische Premierminister Lionel Jospin am Donnerstag in Paris. Er reagierte damit erstmals auf massive Kritik der Opposition, die nach dem Mord an dem Korsen am vergangenen Freitag das Reformprogramm für gescheitert erklärt hatte.

Die Regierung will der Mittelmeerinsel schrittweise mehr Selbstständigkeit geben. Die Opposition hat Jospin unter anderem vorgeworfen, den gewalttätigen korsischen Nationalistengruppen gegenüber zu nachgiebig zu sein.

Der frühere Nationalistenführer Santoni war in der Nacht zum Freitag im südkorsischen Monacia-d'Aullene erschossen worden. Die Staatsanwaltschaft von Ajaccio vermutet, dass der 41-jährige Korse einem Racheakt von Nationalisten zum Opfer gefallen ist. Am Dienstag wurden zwei weitere Männer erschossen, die zum Kreis Santonis gehört haben sollen. Eine Aufklärung der Morde ist sehr schwierig, da Zeugenaussagen wegen des ungeschriebenen Gesetzes des Schweigens auf der Insel sehr selten sind. (APA/sda)

Frankreichs Regierungschef Lionel Jospin hatte im Juli 2000 einen Plan vorgelegt, die französische Mittelmeerinsel ab 2004 auf regionaler Ebene mit mehr Selbstständigkeit auszustatten. Die französische Nationalversamlung stimmte dem Plan im Mai zu.
Share if you care.