Genua-Häftlinge bleiben trotz Thierse-Appell in Haft

23. August 2001, 21:46
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Angeblich Hinweise auf Verbindung zum "Schwarzen Block" Deutscher Bundestagspräsident (Bild) appellierte an Behörden

Rom (APA/Reuters) - Die in Italien inhaftierten deutschen Globalisierungsgegner sollen ungeachtet eines Appells des deutschen Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse vorerst nicht freikommen. Thierses italienischer Kollege Pierferdinando Casini erklärte am Donnerstag, nach Einschätzung der Justiz gebe es Beweise, nach denen die 15 Deutschen an Ausschreitungen am Rande des G8-Gipfels in Genua im Juli beteiligt gewesen sein könnten. Aus diesem Grund habe die Justiz den Antrag der Inhaftierten abgewiesen und diese nicht freigelassen.

Thierse hatte Casini in einen Brief aufgefordert, sich für die Freilassung der Deutschen einzusetzen, falls diese nicht straffällig geworden seien.

In einer der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Erklärung verweist Casini darauf, dass der Fall in den Händen der Justiz liege und sich kein anderes Staatsorgan einmischen könne. Der Justiz lägen Beweise über eine mögliche Verbindung der Deutschen zu dem "Schwarzen Block" vor, dessen Mitglieder für schwere Ausschreitungen während des Gipfels der sieben führenden Industrienationen und Russlands (G8) verantwortlich seien. Während des Gipfels war es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Globalisierungsgegnern gekommen. Ein italienischer Demonstrant wurde von der Polizei erschossen. Mehr als 300 Menschen wurden festgenommen.

Demonstranten hatten über Verletzungen durch ein übermäßig hartes Vorgehen der Polizei und unbegründete Inhaftierungen geklagt. Die Bundesregierung hatte die Berichte als "glaubwürdig" bezeichnet und von den italienischen Behörden Aufklärung verlangt. In Italien wird der Polizeieinsatz untersucht. (APA)

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